Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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giebst also zu, daß es eine Kunst sey, zu regieren? Wo 
aber glaubst du, daß wir die Praxis dieser Kunst suchen 
müssen? Jn Republiken oder Aristokratien, Monarchien 
oder Despotien? 
Herbert. Ich war im Begriffe, zu sagen, daß in 
Demokratien keine Regierungskunst sey. Aber es fiel mir 
bey, daß es Demagogen giebt. 
Philipp. Und diesen schreibst du eine Regierungs¬ 
kunst zu 3 
Herbert. Wie soll ich denn die Kunst nennen 
welche Perikles so meisterhaft übte? 
Philipp. Du hast recht: denn offenbar war Perik¬ 
les nicht blos Demagöge, der das Volk für seine Absich¬ 
ten bearbeitete; er war auch Regent, und lebte für Athen. 
Aber vor aller Demagogie wirst du wohl in Demokratien 
keine Regierungskunst finden, denn da bewegt sich das Volk 
unmittelbar, und die Zeit, wo es über seine eigene politi¬ 
sche Bewegung reflektiren, und sie zur Kunst erheben könn¬ 
te, findet das Volk schon nicht mehr in reiner Demokratie. 
Denn gerade die allgemeine Gleichheit der Nichtentwicklung 
im Volke ist die innere Grundlage der äussern demokrati¬ 
schen Gleichheit. Suchen wir demnach die Regierungs¬ 
kunst nur da, wo das Verhältniß des Volkes zu seiner 
Majestät ein mittelbares, also ein künstliches ist. 
Eduard. Sehr gut, daß du für die Regierungs¬ 
kunst den allgemeinen Begriff des Künstlichen findest. Die 
Erinnerung an Theobalds Ansichten von der Technik über= 
haupt wird dich dann sicher leiten. 
Herbert. Aber sage mir erst, wie du die Maje¬ 
stät eines Volkes im Begriffe bestimmest? 
Phi- 
Digtalsen 
ropä
	        
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