Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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sehst, Herbert, bey uns wird mit Scherze manches ge¬ 
fordert, was mit trockenem Ernste langsamer gienge. 
Herbert. Ich sehe es; aber bleibt nur bey der 
Sache. 
Heinrich. Du kannst also nicht läugnen, daß Ge¬ 
setz und Recht nur durch die Ungerechtigkeit herbeygeführt 
sey, und daß der Gerechte da, wo das Gesetz gerecht ist, 
es sich selbst auflege, also über dem Gesetz sey? 
Herbert. Ich muß es zugeben. 
Heinrich. Wie aber, wenn das Gesetz ungerecht 
wäre? Oder glaubst du, daß das Gesetz nie ungerecht seyn 
könne? 
Herbert. Selten ist wohl das Gesetz ungerecht 
meist nur seine Anwendung. 
Heinrich. Für das bürgerliche Recht will ich dies 
zugeben. Aber die Gesetze der Verwaltung sind doch auch 
wirklich oft in sich ungerecht, z. B. unter despotischen Re¬ 
gierungen. Und da überhaupt, wie du selbst gestehen 
mußt, Gesetz und Recht Folgen der Ungerechtigkeit sind, 
so kann es wohl nicht fehlen, daß sie nicht oft selbst voller 
Ungerechtigkeit seyen. 
Herbert. Ich muß es einräumen. 
Heinrich. Unter ungerechte Gesetze fügt sich nun 
der Gerechte wohl auch, aber wie Sokrates blos aus 
Dankbarkeit dafür, daß überhaupt die Gesetze ihm bisher 
sein Daseyn gesichert, und seine Bildung gegeben haben. 
Oder kennst du einen anderen Grund, warum der Ge¬ 
rechte sich ungerechten Gesetzen unterwerfen sollte? 
Herbert. Die Gesetze, auch die ungerechten, er¬ 
wingen ihre Vollziehung. 
Heinrich. Aber der Gerechte kann dem Zwange 
intgehen, denn er kann sterben. 
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Mar Plenckelnstur i
	        
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