Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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Heinrich. Du citirst unrecht; es heißt: nil inul¬ 
tum remanebit. Doch vielleicht hattest du die Stelle 
im Sinne: 
Quid sum miser tum dicturus 
cum vix iustus sit securus? 
auf jeden Fall freut es mich, daß du Scherz unter deinen 
Ernst mischest. 
Herbert. Es sey. Aber bleib nur dabey, daß 
das Gesetz und das Recht viel Unrecht verhütet, und viele 
Wunden heilt, welche das Unrecht geschlagen hat. Denke 
dir ein Volk, dessen Recht und Gesetze gelöst sind. Wir 
haben die Gräuel vor Augen gesehen. 
Heinrich. Ich lasse dich noch nicht von dem vor¬ 
hin angeführten Kanon. Solltest du denn nicht manchen 
rechtlichen Mann kennen, der noch niemals vor den Tri¬ 
bunalen gestanden hat, und der aus Charakter die recht¬ 
lichen Verhältnisse achtet? Bist du nicht selbst ein solcher? 
Herbert. Du schmeichelst mir, aber fahre nur 
fort, zu argumentiren. 
Philipp. So bist du ja selber der Gerechte, von 
dem in dem Sprichworte die Rede ist. Für dich ist das 
Gesetz nicht, weil du es dir selbst geben würdest, wenn es 
auch kein Staat ausgesprochen und sancirt hätte. 
Herbert. Das muß ich zugeben. Aber es bleibt 
denn doch eine Wohlthat, daß die vielen, welche nicht 
durch ihren Charakter gerecht sind, durch Gesetze in 
Schranken gehalten werden. 
Philipp. Aber doch resultirt daraus so viel, daß 
die Gesetze blos durch die Ungerechtigkeit herbeygeführt 
sind, und daß, wie diese sich forterbt, auch die Gesetze 
sich forterben? Satan ist Vater der Gesetze | | 
Zweyten Bands erstes Heft. 
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