Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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II. 
Heinrich und Philipp. Ist es nicht Theobald, der 
dort herabkommt? Wenn er nahe kommt, heissen wir ihn 
wilkommen, und verflechten ihn, wenn er will, in unser 
Gespräch. 
Heinrich. Unser Gespräch wird durch seine Theil¬ 
nahme sicher gewinnen. Er hat einen klaren und tiefen 
Blck in das Objektive, und ehrt die Wissenschaft, ohne 
sie zu misbrauchen. 
Philipp. Dieser Sinn für das rein Individuelle 
st es gerade, was ich am meisten an unsern Aerzten ver¬ 
misse. Daß jeder Kranke seine eigene Behandlung fodere, 
weil er auf eigenthümliche Weise krank ist, werden dir viele 
Aerzte im Worte allenfalls zugeben, aber in der Praxis sicher 
verläugnen. 
Heinrich. Sehr wahr. Da hat der eine den Me¬ 
chanismus der Formeln, die für eine Krankheit gemacht 
snd, und die er blindlings an dem Kranken versucht; der 
andere hat ein paar Phrasen der philosophischen Schule nebst 
dem Gegensatze der stärkenden und schwächenden Mittel, 
und beyde kümmern sich nicht, die Individualität des Kran¬ 
ien zu penetriren, was freylich nur Sache des glücklich 
angebornen Instinktes oder der Weisheit ist, und von bey¬ 
den ist die Menge der Aerzte gleich weit entfernt. Indeß 
ist das Treffliche überall selten, und Theobald hat meine ganze 
Achtung. Auch Eduard schätzt ihn, so viel ich weiß, sehr. 
Philipp. So ist es. Und eben jene Mäßigung in 
Anwendung der Wissenschaft auf die medizinische Praxis, 
die du vorhin schon angedeutet hast, schätzt Eduard gar 
sehr an ihm. 
Hein¬ 
Ooigtel.
	        
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