Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

ropä 
— 
120 
stellen können, daß die Wahrheit aufhörte, Wahrheit zu 
seyn, wenn sie die Nothwendigkeit verließe. 
Philipp. Wir müssen dir und Plato zugeben, daß 
die Nothwendigkeit der Vernunft die eisernste sey; aber 
doch ist sie eine Nothwendigkeit, der jedes reine Gemüt 
gern folgt, dagegen es eine blinde Nothwendigkeit verabscheut. 
Eduard. Du sprichst jetzt von einer blinden Noth. 
wendigkeit, einer Bestimmung, von welcher du im ganzen 
Verlaufe unseres Gespräches gar nichts erwähntest: diese 
blinde Nothwendigkeit also fürchtet ihr, und der erkann= 
ten Nothwendigkeit würdet ihr gerne gehorchen, so wie ih 
ja eben erklärt habt, daß ein reines Gemüth dem Gesetz 
der Wahrheit gern folge, welches Gesetz ja eben die här 
teste Nothwendigkeit ist. Es käme also nur darauf an 
daß wir uns darüber verständen, was blinde Nothwendig 
keit sey, und ob diese über den Menschen Gewalt habe. 
Beyde. Hierin scheint es zu liegen. 
Eduard. Aber wirklich schlägt die Stunde der Tren¬ 
nung. Liebt ihr die Fortsetzung unseres Gesprächs, so be= 
gegnen wir uns morgen zur selben Stunde bey der Quelle 
am Ende der Platanen=Allee. Der heutige Abend verspricht 
auf morgen einen heiteren Tag, und das Zimmer schein 
mehr zum einsamen Nachdenken als zur heiteren Unterhal 
tung gemacht. Vielleicht begegnet uns dort auch ein Freund, 
der unsere Untersuchungen theilt, und von seiner Heiterkeit 
oder seinem Ernste unserem Gespräche etwas willkommens 
beymischt. Indeß lebt wohl, Freunde. 
Beyde. Lebe wohl, Freund. Wir erwarten dich 
morgen. 
f.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer