Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

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sollen doch ohne Zweifel unvollkommne äußere Pflichten seyn 
(warum wären sie sonst besonders genannt worden?); und 
die Moral sollte also auch von äußern Pflichten handeln 
Rez. glaubt die Moral und das Naturrecht am besten so unter¬ 
scheiden zu können: jene ist die Wissenschaft der Verpflich¬ 
tung des Menschen an das Selbstgesetz (diese Verpflichtung ist 
etwas Innerliches), dieses, die Wissenschaft der Berechti¬ 
gung des Menschen über die Natur (welche, als die Natur 
betreffend, etwas Aeußerliches ist). Aus Gründen, welche 
zum Theil schon oben vorgetragen sind, ausführlich aber hier 
nicht auseinander gesetzt werden können, hält Rez. das Prin¬ 
cip des Naturrechts, wenn darunter sein eigentlicher, nächster 
Grundsatz verstanden wird, nicht für verbiethend. Es muß 
ein Naturrechtssatz seyn, denn er soll Naturrechte 
setzen 
B). Auch in der Erörterung und Bestimmung der Theile 
chr 
des Naturrechts überhaupt weicht Rez. von H. S. ab. Er 
will seine Gedanken hierüber der Prüfung des scharfsinnigen 
Denkers kurz vorlegen. 
50 Das Naturrecht überhaupt (er nennt es zur Unterschei¬ 
dung von dem positiven Rechte, welches ihm eigentlich und 
allein angewandtes Naturrecht ist, wenigstens seyn sollte, 
das allgemeine) ist die Wissenschaft von dem Rechte des 
Menschen über die Natur. Nun findet man durch Analysis, 
daß die Natur in die unbeseelte (unfreye, welcher die 
Vernunft nicht imputirt) und in die beseelte (dem Sitten¬ 
gesetz verpflichtete, also freye) kurz, in Sachen und 
Personen zerfällt. Hieraus entspringen nun zwey Zweige 
des Naturrechts 
a) das Sachenrecht, 
b) das Personenrecht. 
Was nun zuförderst das Sachenrecht betrifft; so hat 
der Mensch kraft seines Urrechts Herr der Natur zu seyn, schon 
a priori das Recht der Zueignung — absolutes Sachen¬ 
recht — und kann sich also 2 posteriori die Sachen wirklich 
zu eigenmachen — Eigenthum, hypothetisches Sa¬ 
chenrecht. 
Was 
Max-Planck-Institut für 
UNIVERSTTAT 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte 
TÜBINGEN
	        
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