Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

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Wenn man in einer Reise durch Italien und die Schweiz, 
die keinem besondern Fache, als: Medicin, Chirurgie, u. s. w. 
gewidmet ist, nichts Antiquarisches, Litterarisches, Politisches; 
nichts in die Naturgeschichte einschlagendes; nichts Empfindsa= 
nes; nichts Tiefgeschöpftes; keine Moral und keine Menschen= 
kenntniß suchen darf, und wenn noch obendrein der sogenänn¬ 
te style naturel, worin alle diese Armuth vorgetragen wird, 
ein style très mediocre ist: so möchten wir wohl wissen, was 
noch übrig bliebe, um Erstaunen und Entzücken zu erwecken? 
Ueber den Mangel aller dieser guten Dinge, könnte man aller¬ 
dings erstaunen; aber, kann ein so erstaunlicher Mangel auch 
wohl Entzücken erregen? — Der Verf. gibt freylich sehr wich¬ 
tige Gründe an; warum er alle diese Gegenstände, nicht be¬ 
rühren konnte. „Denn dazu“ — heißt es Sn 4 — „hat es 
mir an Zeit, Gelegenheit, und aufrichtig zu sagen, an Fond(!!) 
gefehlt." Dieß sind Gründe, die Gehör verdienen; und der 
Letzterei besonders, — wir müssen es gestehen — ist mit 
einem großen Fond von Simplizität, vorgetragen.. Aber dürf= 
ten wir nicht allenfalls fragem, wie, und warum, man auf 
den Einfallkommen kann, ein Buch zu schreiben, wenn es ei= 
nem an Zeit, Gelegenheit und Fond dazu fehlt? 
21 Indessen ist dieß eins von den Büchern, die für einen 
engen Zirkel von Freunden, also nicht für das Publikum ge¬ 
schrieben, aber doch gedruckt, und im Publikum, verbrei¬ 
tet, das heist für den gesetzten Ladenpreis verkauft wer¬ 
dden. — „Bloß um meinem Gedächtniß zu Hülfe zu kom¬ 
men  — sagt der Verf. — „führte ich ein Tagebuch, weil 
ich voraus sehen konnte, der und jener von meinen Freunden, 
würde etwas erzählt haben wollen." „Durch allerhand Um¬ 
stände ist aus dieser Erzählung) die ihrer ersten Bestimmung 
nach mündlich geschehen sollte, ein gedrucktes Buch, und da¬ 
durch natürlich der kleine Zirkel, dessen Vergnügen und Theil¬ 
nehmung damit beabsichtet war, zu weit ausgedehnt worden." 
u. s. w. 
Autorschwänke dieser Art, sind so bekannt, und so ver¬ 
jährt, daß Rez. es kaum der Mühe werth achter, sich einen 
Augenblick dabey zu verweilen.! Sie haben bey dem verständi¬ 
gen 
Vorlage: 
EBERHARD KARLS 
Max-Planck-Institut für 
RUBIOSE 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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