Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

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vorzutragen, und meistens nur mit ein paar Seitenhieben, 
oder, wie er S. 317 einmahl sagt, mit Gründen so viel 
mir deren beyfallen, höchststreitige Grundsätze 
anderer Rechtsgelehrten für grundfalsch zu erklären. Die 
Unschicklichkeit abgerechnet, ist dieß der deutlichste Beweis, 
daß der Verf. noch nicht genug in den wahren Geist des deut¬ 
schen Staatsrechts eingedrungen ist. Wie häufig sind bey den 
vielen streitigen Lehren desselben, die Gründe auf beyden Sei¬ 
ten so stark, daß sich Männer wie Moser und Pütter so¬ 
gar nicht herausgenommen haben, mit der vollen Zuverlässig¬ 
keit, wie sich Herr Schelhaß auf allen Seiten erlaubt, 
Wahrheit und Trug zu scheiden? Wenigstens däucht uns, ein 
Verfasser, welcher von sich überwinden kann, „ohne weiters 
zu behaupten, (S. 164) Deutschland bilde ein bür¬ 
gerliches System von lauter verbündeten 
Staaten, (S. 166) die" einzelen Reichsstände 
seyen eben so gur Unterthanen des Reichs, 
als in den freyen Reichsstädten das einzele 
Rathsglied Unterthan des gesammten Raths, 
welcher ferner (S. 182) ohne den Gegengründen auch nur das 
geringste Gewicht noch zu lassen, mit der entschiedendsten Ge¬ 
wißheit bewiesen haben will, daß die Churfürsten kei¬ 
neswegs das Recht haben, in der Wahlcapi¬ 
tulation neue gesetzliche Vorschriften zu ge¬ 
ben, oder, was dasselbe ist, alte zu Cerwei¬ 
tern, welcher das Kammergericht (S. 298) deswegen 
von der Verbindlichkeit, die W. C. zu befolgen, freyspricht, 
weil sie in den Diensteid der Beysitzer noch nicht aufgenom¬ 
men seye, und doch selbst gestehen muß, daß das Kammergericht 
durch den Reichserzkanzler immer ein Exemplar erhalte *) 
ein Verf. also, welcher solche, so vielen gegründeten Ein¬ 
wendungen ausgesetzte Sätze mit einer Entschiedenheit, die gar 
kei= 
*) Daß dasselbe von der jetzigen W. C. keines erhalten haben soll, 
wie der Verfasser gehört haben will, ist höchstunwahrscheinlich, beweißt 
aber auf keinen Fall etwas, da es durchaus an irgend einem Grunde 
fehlt, warum das C. G. an die W. C. nicht gebunden seyn sollte. 
Vorlage: 
EBERHARD KARL 
Max-Planck-Institut für 
UNIVERSITÄT 
europäische Rechtsgeschichte 
TÜBINGET 
—
	        
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