Full text: ¬Der raisonirende Juriste, welcher seine raisonements aus denen Reguln der Klugheit, und dem vernünfftigen Rechte, wie auch denen römischen und teutschen Antiquitäten über die Stücke der Rechts-Gelehrsamkeit ergehen lässet (St. 2 (1714))

Ein Weib kan keine Vormunds. führen. 219 
sich von ihrem Geschlechte nicht gar viel in die= 
sem Stücke zu versprechen u weil sie dem Wer= 
cke insgemein nicht gewachsen. Ob nun 
wohl Justinian die erstere Ursache über den 
Hauffen warff, so blieb doch die Letztere un= 
beweglich, und konte er aus diesem Grunde 
die Verfaßung mulier non est tutrix, gar 
wohl behalten. 
§. 6. 
Deswegen hat es doch mit der Regul 
der Auslegung: Cessante legis ratione cessat 
eiusdem dispositio, seine Richtigkeit. Denn 
die Reguln einer guten Auslegung sind Pro¬ 
babilitaten, und finden nur alsdenn statt 
wenn die Erklärung im Zweiffel stehet. Wo 
aber eine Interpretatio authentica ist, und 
der Gesetz=Geber ausdrücklich sagt, das will 
ich haben: dürffen wir mit unseren Regulis 
hermeneuticis nicht weiter nachsuchen. Denn 
der Zweck dererselben ist, den mentem loquen¬ 
tis zu erforschen: So offt nun einer seinen Men¬ 
tem selbst erkläret: so ist es nicht nöthig, pro¬ 
hable Gründe zugebrauchen, seinen Sinn zu 
erforschen. Und wir müssen zufrieden seyn 
wenn auch der Gesetz=Geber in seinen Gesetzen 
die Erklaͤrung weit anders machte, als es die 
Reguln einer guten Auslegung sonst wuͤr¬ 
den mit sich bringen. 
T 
R 
— 
Universitätsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
Greifswald 
europäische Rechtsgeschichte 
34t
	        
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