Full text: ¬Der juristische Federfechter (St. 6 (1752))

489 Der Juristische Federfechter. 
Responsum. 
Obwohl von dem Falle, wenn Stief= und leibli¬ 
che Tochter vorhanden, in denen Leipziger Statuten 
nichts disponiret, und die leibliche Tochter vorwenden 
möchte, daß sie, des ihr aus den Statutis §. 36. zuste¬ 
benden Rechts halber, außer der Helfte von Betten 
und leinen Gerathe, von den uͤbrigen allen euch aus¬ 
schließe, dannenhero, daß ihr der Helfte, so sonsten die 
Stief=Tochter davon dem Stief=Vater zu überlassen 
gehalten, euch anzumaßen, nicht befugt, es scheinet. d. 
g. u. d. dergleichen Fall, da Stief= und leibliche 
Tochter mit dem Vater concurriren, also beschaffen, 
daß die Application derer Statuten gar fuͤglich statt 
findet, solchemnach das Axioma, daß Statuta ad ca¬ 
sus non expressos nicht zu extendiren, allhier ceßiret, 
vid.-Rivin, disp. de marit. haered. mobiliar. §. 31. 
und bey der leiblichen Tochter zu erwegen, daß wenn 
ihr, als Vater, nicht vorhanden wäret, sie mit denen 
Stief=Schwestern die voͤllige Gerade theilen muste, 
also derselben, eurer Person, und des euch gegen die 
Stief-Tochter zu stehend: Rechts halber, nichts zu¬ 
wachsen, noch sie daraus ein besser Recht, als sie in 
Mangel eurer gehabt, erlangen kann. Uebrigens, 
daß bey Erbfällen eine Person, ex duplici respectu, 
in der Theilung etwas genießen könne, nichts unge¬ 
wöhnliches ist; Arg. 1. 3. C. de bonis inaternis. So 
seyd ihr, von denen Betten und leinen Gerathe, durch¬ 
gehends den halben Theil, und von der Stief=Töch= 
ter uͤbrigen zugefallenen Antheil von der Gerade wie¬ 
derum die Helfte, vor euch zu behalten wohl befugt. 
Fac. Jur. Lips. 
— 
Max-Planck-Institut für 
UNIVERSITAT 
europäische Rechtsgeschichte 
JBINGEN
	        
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