Volltext : Allgemeine Bibliothek der neuesten juristischen Litteratur (Bd. 2, St. 2. 1786 (1788))

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mundschaft  übertragen  wurde.  Ihr  Mann  war  kaum
3.  Tage  todt,  als  sie  einen  Knecht,  welchen  derselbe
bei  seinen  Lebzeiten  zweimal  weggesagt  hatte,  wieder
in  Dienste  nahm.  Als  ihre  Anverwandten  ihr  Mißfallen -
  darüber  äusserten,  gab  sie  ihm  den  Abschied.
Der  Knecht  that  auch,  als  wollt'  er  sich  entfernen,
und  verließ  das  Schloß,  kam  aber  des  Nachts  durch
eine  geöfnete  Gartenthür  zurück,  fand  alle  Zugänge  frei
und  gieng  geraden  Wegs  in  das  oben  im  Schlosse  für
ihn  zubereitete  Gemach,  wo  er  von  der  Marquise  empfangen, -
  und  vor  aller  Augen  verborgen  gehalten  wur.
de.  Mehrere  Wochen  lebte  er  da,  von  Niemand  als
von  seiner  Gebieterin  und  ihrer  Kammerfrau  besucht.
Da  brachte  jene  ganze  Tage  mit  ihm  hin,  theilte  mit
ihm  die  ausgesuchtesten  Speisen,  und  gab  ihm  den  besten
Wein.  Endlich  ward  er  der  Einsamkeit  müde,  und
schlich  sich  bei  Nachtszeit  zu  der  nämlichen  Thüre  wieder
hinaus,  zu  welcher  er  hereingekommen  war,  gieng
aber  nur  um  das  Schloß  herum,  kam  Tags  darauf
bei  hellem  Tage,  als  käm'  er  von  einer  langen  Reise,
ins  Schloß  zurück,  und  begehrte  die  Marquise  zu  sprechen. -
  Er  ward  vorgeführt,  sehr  gut  empfangen  und
als  Aufseher,  ob  er  gleich  nicht  lesen  konnte,  angestellt.
Von  diesem  Augenblicke  an  spielte  er  den  Herrn,  befahl, -
  gebot;  die  Marquise  übergab  ihm  die  Kleiderkammer -
  ihres  verstorbenen  Gemahls,  er  putzte  sich  mit  den
Kleidern  seines  Herrn,  seiner  Wasche,  seinen  Uhren,
Ringen,  Kostbarkeiten,  —  fuhr  mit  der  Marquise
auf  die  Jagd,  spatziren,  aß  bei  ihr,  und  —  kurz:  das
Aergerniß  war  allgemein.  Sogar  scheute  sie  sich  nicht,
mit
Vortage:
Max-Planck-Institut  für
issenschatiche  stadtbibliothek
DFG
europäische  Rechtsgeschichte
            
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