Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 37 = [3.F.] Bd. 67 = Jg. 1854, Bd. 2 (1854))

58 A. III. Z. forens. Expertise vorhand. gewes. Schwangersch. u. Geburt. 
Kopfschmerzen und Frost geklagt, so daß er sie ruhig habe liegen las¬ 
sen. Um Erlaubniß, sich in dieses Bett legen zu dürfen, habe sie 
ihn nicht gebeten, da sie als seine Haushälterin ohne ihn zu fragen 
dieß habe thun können; auch sei dieselbe um sechs Uhr desselben 
Morgens, soviel er wenigstens wisse, nicht in seiner Wohnstube ge¬ 
wesen. Sie habe, wie er früher schon erwähnt, in diesem Zustande 
keinen Arzt verlangt, obgleich sie zwei Tage lang, nämlich den Frei¬ 
tag und den Sonnabend, liegen geblieben sei. 
Diese ganze Zeit über habe Dieselbe über das schon angegebene 
Leiden geklagt, und am nächsten Sonntag Morgen die Hebamme 
Höhne holen lassen, er wisse aber nicht, was sie von derselben ge¬ 
wollt, und könne nur soviel sagen, daß sie ihm auf seine Frage: 
„Nun, was soll denn das, Du läßt die Kindermutter holen und 
sollst fort?"nur erwiedert habe: „Ich kann nun bleiben, ich habe 
meine Regeln wieder bekommen." Etwas Weiteres wisse er gar 
nicht, als daß noch die Hebamme, da er sie gefragt, was denn los 
sei, ihm geantwortet, sie wäre bei Sophien gewesen, habe aber nicht 
erwähnt, daß diese schwanger sei. Ob die Höhne jedoch die Sanf¬ 
tenberg untersucht habe, wisse er nicht. Er sei während der beiden 
Tage, wo die Letztere krank gewesen, bisweilen bei ihr gewesen 
habe aber nicht das geringste Verdächtige, was auf eine Entbindung 
derselben hätte schließen lassen, bemerkt, und müsse er dabei bleiben, 
daß er den Beischlaf mit derselben weder vor Östern 1849 nod 
überhaupt jemals vollzogen habe. 
Er wisse nichts davon, daß die Sanftenberg an dem Freitag 
früh, wo sie krank geworden, um 6 Uhr Morgens in das Wohnzim¬ 
mer gekommen sei und sich daselbst auf das Sopha gelegt habe; eben¬ 
sowenig auch davon, daß dieselbe ihn in dieser Stube an jenem 
Morgen um Erlaubniß gebeten habe, sich ihrer Krankheit wegen in 
die Gaststube in eins der dort befindlichen Betten legen und daselbst 
einheizen zu dürfen, er müsse dieß vielmehr entschieden in Abrede 
stellen. 
Es wurde hierauf die Inculpatin vorgeführt, und derselben in 
Gegenwart des Müllermeisters Z. ihre Aussage, nach welcher sie an 
dem gedachten Freitag Vormittag erst nach der Wohnstube herunter¬ 
gekommen und sich dort auf das Sopha hingelegt haben wolle, und 
wonach sie, als es sich mit ihrem Zustande nicht gebessert, ihren 
Herrn um Erlaubniß gefragt habe, ob sie sich in ein Bett im Frem¬ 
denzimmer legen und dort ein Feuer anmachen dürfe, vorgelesen. 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer