Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 37 = [3.F.] Bd. 67 = Jg. 1854, Bd. 2 (1854))

A. I. Revision der Lehre von der Haussuchung. 
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fachen Unebenheiten und Lücken ausgebildet hat, welche für legisla¬ 
tiv-politische Zwecke gleichzeitig anzudeuten gelegentlich nicht unter 
lassen ward. 
Die Haussuchung, sowohl insofern sie dem ersten, als auch dem 
zweiten Stadium der Voruntersuchung angehört (letzteres, wenn sie 
sich auf einen bestimmten Angeschuldigten, eine bestimmte Verbrechens¬ 
spur, ein bestimmtes Beweismittel bezieht), unterliegt deshalb beson¬ 
derer criminalprocessualischer Normirung, weil sie eine durch das 
höhere Rechtsinteresse der Strafrechtspflege gebotene Beschränkung 
der allgemeinen Rechte der Staatsangehörigen involvirt, deren 
Gränzen und Voraussetzungen eben daher genau festzustellen 
sind. Diese Bestimmungen bilden den Hauptbestandtheil dieser Lehre 
Daneben kommen aber auch noch einige auf Formalitäten bezüg¬ 
liche Vorschriften hier vor, welche zur Sicherung der legalen Vor¬ 
nahme der H. vorgeschrieben sind, ohne schon an sich in dem Wesen 
der letzteren begründet zu sein. 
Im Allgemeinen ist unter der H. die Durchsuchung eines Hau¬ 
ses oder anderer abgesonderten Räumlichkeiten zum Zwecke der Auf¬ 
findung des Thäters oder der Spuren oder Beweisgegenstände eines 
Verbrechens zu verstehen. Diese Durchsuchung beschränkt sich jedoch 
nicht auf die Räumlichkeiten selbst, sondern kann sich auf alle in den¬ 
selben befindliche Gegenstände erstrecken. 
Die letztere Erläuterung ist in der Hann. St.P.O. §. 103 
ausdrücklich ausgesprochen; sie ist aber auch als allgemeingültig an¬ 
zusehen, da sie sich aus dem Begriff der H. von selbst ergiebt. In¬ 
dem der verborgene Thäter oder das verborgene Object in einem 
Hause oder dergl. gesucht wird, muß zugleich das in diesem Hause Ent¬ 
haltene, wo er oder es wieder verborgen sein können, durchsucht werden; 
nicht das Haus als solches, sondern der Inhalt desselben ist der Gegen¬ 
stand der Durchsuchung.*) Obwohl nun hierunter im weitesten 
*) Hierher gehört also auch die Oeffnung verschlossener Räume (v. Ja¬ 
gemann, Handb. 1. S. 105), in welcher Beziehung nur das Bair. St G.B. 
II. Art. 252 die singuläre Bestimmung enthält, daß dieselbe wider Willen des 
unbescholtenen Hausbesitzers nicht erfolgen dürfe. 
orse 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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