Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 32 = [3.F.] Bd. 62 = Jg. 1853, Bd. 1 (1853))

61 A.I. Zur Lehre v. d. a. Antrag d. Verletzten zu unters. Verbrechen. 
führer auf den Antrag der Entführten bestraft worden, so kann 
der Vater der letzteren nicht noch einen neuen Antrag auf Be¬ 
strafung stellen. Bei den sogenannten Collectiv-Injurien kann 
diese Beschränkung Anstoß erregen. Hier ist jeder Einzelne für 
seine Person beleidigt und die Sühnung der dem Einen zuge¬ 
fügten Beleidigung enthält noch nicht so unbedingt eine befrie¬ 
digende Ausgleichung für die Anderen. Man wird hier unter¬ 
scheiden müssen. Beschimpft Jemand die Mitglieder einer Ver¬ 
sammlung, indem er sie als einzelne Individuen verletzt, so wird 
jeder Einzelne auf volle und selbstständige Genugthuung an¬ 
tragen können. Es erklärt z. B. Jemand, daß alle die Mit¬ 
glieder, welche einen gewissen Beschluß gefaßt hätten, ihre Pflicht 
verletzt hätten, Narren seien rc. Hier ist jeder Einzelne für 
seine Person verletzt und es ist dasselbe Verhältniß, als wenn 
der Injuriant gesagt hätte: A. B. C. rc. haben den Beschluß 
gefaßt und dadurch ihre Pflicht verletzt. Anders verhält es sich, 
wenn die Standesehre einer Corporation rc. verletzt wird. 3. 
B. A. sagt, daß es unter der Ehre eines ordentlichen Mannes 
sei, mit den Offizieren des Regiments N. zu dienen — daß 
die Offiziere dieses Regiments sich von jeher durch Feigheit aus¬ 
gezeichnet hätten. Hier würde der Chef des Regiments denun¬ 
ciren können; in jenem Falle nicht der Vorstand der Gesellschaft. 
Es ist eine gemeinsame, die Corporation als solche treffende Be¬ 
leidigung. Hier reicht eine einmalige Bestrafung hin; jedoch 
dergestalt, daß auch hier die eigentliche Privatsatisfaction dem 
Einzelnen nicht vorenthalten werden kann. Jeder wird daher 
Abschrift des Straferkenntnisses für sich auf Kosten des Inju¬ 
rianten verlangen können. 
§. 6. 
Nach welcher Zeit erlischt das Recht des Antrags? Die 
hier fraglichen Vergehen gehören zum großen Theile den gerin¬ 
geren an. Hier rechtfertigt sich eine kurze Verjährungsfrist. Aber 
auch bei den schwereren Verbrechen ist eine kurze Frist zur An¬ 
tragsstellung gerechtfertigt. Wenn der Verletzte erst nach län¬ 
gerer Zeit den Antrag auf Bestrafung stellt, so wird der Antrag 
sehr häufig aus unedlen Motiven hervorgegangen sein. Die 
Frist, welche man dem Verletzten zur Ueberlegung und Erwä¬ 
gung aller einschlagenden Verhältnisse eingeräumt hat, darf nich 
Vorag 
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Max-Planck-Institut für 
zu Berlin 
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