Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 19 = [3.F.] Bd. 49 = Jg. 1849, Bd. 4 (1849))

96 D. Miscellen. 4. Legislative Winke über d. Principien d. Strafgesetzg. 
eine andere als die eines Nordamerikaners. Das Gleiche gilt 
von dem Werthe der Freiheitsentziehungen, welche in den Stra¬ 
fen liegen; dieser Werth und seine Schätzung ist ein wesentlicher, 
ein hochwichtiger Theil des Rechtes eines Volkes überhaupt, be¬ 
züglich dieser beiderseitigen Gehalte und Werthe liegt in dem 
Strafrechte eine Seite des Gesammtlebens, Gesammtbewußtseins 
und Charakters eines Volkes, und es gehört zu einem genügen¬ 
den, erfüllten bewußten Strafrechte eine Bestimmung der 
spezifischen Strafwürdigkeit der Verletzungen nach beiden Seiten. 
Das Gesetz, das Organ des Rechts ist es nun, welches 
dessen Momente ausdrückt und ausprägt, es hat dieselben Attri¬ 
bute wie das Recht, und muß daher materielle Aussprüche 
der Strafwürdigkeit enthalten; es wird auch nur auf dem be¬ 
wußten Wege, nur durch die Organe und Vertreter des Ge¬ 
sammtbewußtseins geschaffen, und muß und kann so, wie das 
Rechtsbewußtsein Eines Volkes überhaupt Eines, als gemein¬ 
sam einem Gesammtindiviuum überall ein gleiches sein. 
Wenn nun freilich vermöge der Mannichfaltigkeit der Einzel¬ 
fälle eine menschliche Satzung im Voraus alle Fälle nicht er¬ 
schöpfen, und nicht den Einfluß der einzelnen Momente für alle 
Fälle zum Voraus, sondern die Strafwürdigkeit der Fälle höch¬ 
stens und nur nach Gattungs=Normen und Kategorien be¬ 
stimmen kann, so fragt es sich im Hinblicke darauf, daß ein 
materielles Gesetz, daher materielle Gattungs=Normen erfor¬ 
derlich sind, allerdings, wonach denn diese Gattungs-Normen 
sich bestimmen, und wie weit das bisherige Verbrechens-Schema 
genüge. Die Kategorien für die Aburtheilung und die Strafbe¬ 
stimmungen müssen auf einer vereinten Berücksichtigung jener 
erstgenannten drei strafrechtlichen Elemente beruhen. Nicht darf 
der verletzende Erfolg oder die äußere Thaterscheinung allein 
entscheiden, der Wille aber, welchen der Verfasser, wie es scheint, 
zu sehr berücksichtigt, ist nur eine Seite der verbrecherischen Hand¬ 
lung; er als Inneres kann auch nicht für wirkliche Verletzung 
eine durchgreifende Gattungs-Norm bilden; er ist insbesondere 
in seinen unendlich vielen Modifikationen nicht leicht erkennbar, 
und erhält von den Erscheinungs- und Erfolgs=Momenten der 
That auch wieder eine Rückwirkung und Modifikation. Daher 
wurden auch von den Gesetzen, so lange solche bestehen, gewisse 
materielle Gesichtspunkte wie Ehre, Leben u. s. w. und äußerlich 
erkennbare, durch Beziehung auf gewisse Gegenstände bestimmte, 
Moage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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