Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 19 = [3.F.] Bd. 49 = Jg. 1849, Bd. 4 (1849))

Nach d. v. d. vereinigten Criminalamte d. Stadt Leipzig mitgeth. Acten. 29 
worden sei. Darf man die Regel als feststehend annehmen, 
daß in allen Fällen, wo der Betrogene selbst auf eine Täuschung 
sich gefaßt machen mußte, nur civilrechtliche Ansprüche begrün¬ 
det werden, eine Strafe aber nicht statt hat, womit bei Bera¬ 
thung des Strafgesetzbuchs Regierung und Stände nach den 
Landtagsacten von 1836. Beilage zu II. 1. Samml. 
pag. 140. 
sich einverstanden erklärt haben; so leidet es keinen Zweifel, daß 
von der Zeit an, als Robert die Ueberzeugung haben konnte, 
daß, wie er früher betrogen worden sei, er auch ferner betrogen 
werde, wegen der neueren Darlehne eine Strafe nicht stattfindet. 
Wenn man dagegen auch einhalten wollte, daß eine Strafe 
wegen Betrugs dann allezeit zu verhängen sei, wenn der Be¬ 
trug von der Art war, daß nach der ganzen Individualität des 
Beschuldigten anzunehmen ist, derselbe sei, mit Rücksicht auf die 
bei anderen Gelegenheiten von ihm bewiesene Klugheit, nicht im 
Stande gewesen, die Täuschung zu durchschauen und sich dage¬ 
gen zu schützen, und annehmen wollte, daß Robert's Indivi¬ 
dualität eine der Art gewesen sei, so fehlt es erstens an allem 
Grunde dazu, indem er vielmehr, in Betracht, daß ihm die 
Verwaltung seines Amtes nicht entzogen worden, präsumtiv die 
nöthige Klugheit — wovon im fraglichen Falle ein hoher Grad 
nicht eben erforderlich war — hatte und das Gegentheil weder 
durch eine exploratio mentis noch sonst hat dargethan werden 
können, weil er selbst nie mit einer Anzeige hervorgetreten ist 
und seine Familie diese erst im Momente seines Todes erstattet 
hat. Hiernächst dürfte bei Beurtheilung der Strafbarkeit auch 
nicht außer Acht zu lassen sein, daß Robert, wenigstens nach 
Angabe der Huth, nicht blos aus Gutmüthigkeit zum Vor¬ 
strecken der bedeutenden Summen sich hat bewegen lassen, son¬ 
dern daß er auch einen unerlaubten Vortheil dadurch sich zu 
verschaffen meinte. Nach Versicherung der Inculpatin sind die¬ 
jenigen 2000 Thlr., die er über die gesetzlich gestatteten Zinsen 
erwartete, nicht wenig Motiv zum Darleihen der Gelder ge¬ 
wesen, wofür, wenn man der Angabe der Huth, die nun nach 
Robert's Tode allerdings Beweise dafür herbeizuschaffen nicht 
im Stande ist, mißtraut, doch auch der Umstand spricht, daß, 
nach Angabe der Familie des Verstorbenen wie der Huth, er 
sogar an der ihm anvertrauten Casse sich zu vergreifen, um 
Geld ausleihen zu können, kein Bedenken getragen hat. Ebenso 
Vonage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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