Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 19 = [3.F.] Bd. 49 = Jg. 1849, Bd. 4 (1849))

Nach d. v. d. vereinigten Criminalamte d. Stadt Leipzig mitgeth. Acten. 27 
sicht bestimmen läßt, nicht unter Art. 245. des Criminalgesetzbuchs 
zu subsumiren und überhaupt nicht in das Bereich des Straf¬ 
gebiets gezogen werden können. 
Einen eigentlichen Strafgrund würde daher nur die dritte 
Categorie der Handlungen der Inculpatin abgeben. Dahin ge¬ 
hören die Fälle, in welchen die Huth den Cassirer Robert 
durch unwahre Versicherungen, daß sie die Gelder für Dritte und 
in deren Auftrage entlehne und die Rückzahlung durch diese erfolgen 
werde, zum Darleihen vermochte. In dieser Hinsicht ist jedoch vorzüg¬ 
lich zu berücksichtigen, daß der wirkliche Betrag der Summen, welche 
die Defendendin durch solche Mittel sich zu verschaffen gewußt hat, 
durch die Untersuchung nicht zu ermitteln gewesen ist. Die von 
der Huth unterschriebenen Documente geben dazu keinen Beleg 
an die Hand, denn diese sind nicht immer bei Auszahlung der 
einzelnen Summen abgefaßt und unterschrieben worden, sondern 
oft erst, nachdem die Inculpatin eine Menge einzelner Darlehne 
empfangen hatte, dann aufgesetzt, wenn sie ihr Säumen in der 
Rückzahlung damit entschuldigte, daß sie alles Geld für einen 
von ihr benannten Dritten aufgeborgt und nur dieser die Zah¬ 
lung noch nicht geleistet habe. Wenn dieß geschehen war, verfaßte 
Robert ein Schulddocument und warf in den darin verschrie¬ 
benen Betrag auch die Darlehne mit hinein, welche er der 
Huth, ohne daß sie sich für Beauftragte eines Dritten ausge¬ 
geben, gegeben hatte, und so sind die verschiedenen Documente 
entstanden. Aus diesem Grunde hat die in die eine oder die 
andere Categorie der Darlehne gehörige Summe um so weniger 
mit Bestimmtheit ermittelt werden können, als die Huth selbst 
gar nicht einmal weiß, wie viel sie überhaupt erhalten hat, 
weniger also, was sie unter Berufung auf fremde Personen 
erborgt, genau anzugeben im Stande gewesen ist. Daß sie 
endlich, auch ein bedeutendes ihr überwiesenes Vermögen im 
Kreisamte zu erheben zu haben, angegeben, hat seinen Grund nicht 
sowohl darin, daß sie auf diese Versicherung hin Geld erhalten 
wollte, sondern diese Angabe erfolgte vielmehr, eine Gestundung 
zu erhalten, Gestundung aber einen Vortheil im Sinne des 
Art. 245. des Criminalgesetzbuchs nennen zu wollen, dürfte wohl 
zu weit gehen. 
Sieht man also von diesem Vortheile ab, so entsteht die 
Frage, ob der Betrug als vollbracht anzusehen sei. Wenn man 
in dieser Beziehung erwägt, daß von den im angezogenen Arti¬ 
Vodage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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