Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 19 = [3.F.] Bd. 49 = Jg. 1849, Bd. 4 (1849))

Nach den Privatacten des Defensors, Dr. Schrey zu Dresden. 207 
4000 Thlrn., vom Hofe entfernen würde. Allein kurze Zeit 
nachher fand die frühere Geliebte Gelegenheit, sich mehr als je 
der Liebe des Churfürsten zu versichern, und ihre, wie ihrer 
Mutter (der nachmaligen Generalin von Neitschütz) hauptsäch¬ 
lichsten Bestrebungen gingen jetzt darauf, sich in dieser Stellung 
immer mehr zu befestigen. Zunächst drang sie auf eine Standes¬ 
erhöhung; in der That erlangte sie schon am 4. Febr. 1693, 
daß sie vom Kaiser Leopold in den Reichsgrafenstand mit dem 
Namen von Rochlitz erhoben wurde. Nächstdem suchte sie 
um es modern auszudrücken, so seltsam es für damalige Zeiten 
erscheinen mag — durch die Presse für ihre Interessen wirken zu 
lassen. Es erschien eine Schrift von einem Pseudonymus Ici¬ 
mander unter dem Titel: Liebe zwischen Prinz Herzmuthen 
und Fräulein Theonilden rc., worin beide und des Prinzen Ge¬ 
mahlin, Patientia Victrix, über die Polygamie poetische Briefe 
an einander schreiben, und welcher eine, nicht minder prosaische 
Abhandlung: ob die polygamia simultanea zu gestatten? beige¬ 
fügt ist, als deren Verfasser, auf Thomasius Vermuthung hin, 
der Ordinarius der Juristenfacultät zu Wittenberg, Dr. Samuel 
Stryck, gilt.*) Ob diese Schrift Viele von der Gerechtigkeit 
der Intentionen der Reichsgräfin von Rochlitz überzeugt haben 
mag, muß dahin gestellt bleiben; noch ungewisser aber ist, was 
von einem angeblichen Eheversprechen des Churfürsten zu halten 
sei, das erst nach dem Tode der Gräfin zum Vorschein kam und 
wovon wir aus den Acten einen Abdruck unten in Beilage A. 
geben. Jedenfalls ist — seine Echtheit dahin gestellt, an der na¬ 
mentlich der Styl vielfach zweifeln macht, — dasselbe auf ein 
Jahr zurück datirt, in welchem es auf keinen Fall ausgestellt 
worden sein kann. 
Noch schien aber der Gräfin so wenig, als ihrer Mutter 
das Band um den Churfürsten eng genug geschlungen: es mußte 
noch auf Eines, auf die völlige Entfernung der Churfürstin, 
hingewirkt werden. Zwar hatte die Geburt einer Tochter, wo¬ 
mit die Gräfin den Churfürsten im J. 1693 in Frankfurt a. M. 
(dahin war sie ihm auf seinem Feldzuge gegen die Franzosen ge¬ 
folgt) erfreut hatte""), das Verhältniß zu ihm gewiß stärker 
*) S. Kreysig, Histor. Bibl. von Obersachsen, S. 147.— Sammlung 
verm. Nachr. zur Sächs. Gesch., Bd. X. S. 368. 
**) Sie ward nachmals an einen polnischen Grafen, v. Dunin, verheirathet. 
15* 
Volage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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