Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 29 = [3.F.] Bd. 59 = Jg. 1852, Bd. 2 (1852))

D. III. Ein englisches Urtheil über Geschwornengerichte rc. 337 
III. 
Ein englisches Urtheil über Geschwornen¬ 
gerichte. 
Mitgetheilt vom Hrn. Justizrath Mühry zu Stade. 
Thomas Starkie, einer der angesehensten juristischen 
Schriftsteller in England äußert (in seinem ausgezeichneten Werke: 
Practical treatise of the Law of Evidence, and Digest of Proofs, 
in Civil and Criminal proceedings. 3. edit. Vol. I., pag. 538, 
not. t) über den Werth des Geschwornengerichts nachstehendes 
Urtheil: 
„Neben den glänzenden Vortheilen, welche aus dieser weisen 
und verehrungswürdigen Einrichtung praktisch sich ergeben, dar 
man sich nicht verbergen, daß sie in einigen, und zwar wesentli¬ 
chen Rücksichten Vorwürfen ausgesetzt ist, von welchen ein ge¬ 
wöhnliches, aus gelehrten Richtern zusammengesetztes Gericht eher 
sich frei halten wird. Geschworne sind wegen ihrer Local- und 
Personal=Verbindungen von Vorurtheilen, Einseitigkeit, und sogar 
Partheilichkeit abhängig. Wenn ihre Begriffe über Gerechtigkeit 
nicht mit zwar positiven und allgemeinen, aber weisen, gesetzlichen 
Regeln übereinstimmen, so werden sie in dem Bestreben, jenen Be¬ 
griffen entsprechend zu handeln, durch ihre Vorurtheile oft in Ver¬ 
suchung gebracht werden, ihren Eid zu gefährden. Sie werden 
nur gelegentlich in Thätigkeit gesetzt; sie haben keinen bestimmten 
amtlichen Stand zu stützen; sie geben keine Gründe für ihre Ent¬ 
scheidung; sie können wegen gewissenloser Entscheidungen effectiv 
nicht zur Verantwortung gezogen werden; selten kann ihr persön¬ 
licher Charakter dabei auf dem Spiele stehen; in vielen Fällen end¬ 
lich sind sie, ihrer gewohnten Beschäftigungsweise zufolge, wenig 
geeignet, über die Wirksamkeit juristischer Schriften und über an¬ 
dere, mit rechtlichen Regeln und Vermuthungen zusammenhängende, 
Gegenstände zu entscheiden. 
Wenn diesen Uebeln nicht in der Praxis durch die discretio¬ 
naire Hülfe, Rath und Leitung des Richters entgegengewirkt würde 
und wenn nicht gegen Irrthümer und Mißgriffe der Geschwornen 
Abhülfe durch weitere Instanzen möglich wäre, so müßten die 
wärmsten Anhänger dieser Gerichtsform zugestehen, daß sie häufig 
schwankend und unbefriedigend sein würde." 
D 
Volage 
Staatsbibliothel 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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