Full text: Archiv merkwürdiger Rechtsfälle und Entscheidungen der rheinhessischen Gerichte, mit vergleichender Berücksichtigung der Jurisprudenz von Frankreich, Rheinbaiern und Rheinpreußen (Bd. 2 (1830))

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Er geht endlich dann wider den Willen des Besitzers 
verloren, wenn das Object des Besitzes so ungewiß ge¬ 
worden ist, daß der Besitzer es nicht mehr aufzufinden 
vermag; si id,— sagt die Lex 25 D, 41. 2. de acquir. et 
amitt, possessione —, quod possidemus, ita perdiderimus, 
ut ignoremus, ubi sit, desinimus possidere. 
In Anbetracht, daß wenn nach dem Gesagten dürch 
den vorgelegten titre recognitik dargethan ist, daß die 
Autoren des Klägers zur Zeit der Renovation von 1763, 
noch im Besitz dieser Rente waren, dieser Besitz schon 
um deßwillen als bis zum Eintritte der französischen Ar¬ 
meen als fortgesetzt erachtet werden muß, weil der Be¬ 
klagte kein Faktum articuliret, wodurch dieser Besitz ver¬ 
loren gegangen, oder ungewiß geworden wäre; 
In Anbetracht, daß die Fortdauer dieses Besitzes, 
seit dem Eintritt der französischen Truppen auch factisch 
dadurch erwiesen ist, daß nach den vorgelegten Auszü¬ 
gen aus den Sommiers des Rentamts von Alzei vom 
20ten Dezember 1822, gehörig registrirt am 24ten des 
nämlichen Monats, der Beklagte sogar im Jahr 1809 
für Rückstände der vom ihm auf seinen Gütern in Hei¬ 
mersheim geschuldeten Rente, die Summe von 90 Fr. 
20 Cent. einerseits, und andrerseits die Summe von 35 Fr. 
54 Cent. bezahlt hat; 
In Anbetracht, daß die Beweiskraft und Wahrhaftig¬ 
keit, der in diesen Sommiers erwähnten Leistungen ver= 
nünftiger Weise auch nicht wohl beanständigt werden 
kann, weil im Art. 4 des Vendemiaire=Gesetzes die Livres 
de Collecte und Rechnungen als Beweisurkunden aufge¬ 
führt sind, und die Sommiers öffentliche Register waren, 
worin ein Rentmeister sich gewiß eine Summe, die er nicht 
eingenommen, nicht zur Last gesetzt haben würde; 
In Anbetracht, daß also auch der Besitz dieser Rente 
durch die Autoren des Klägers bis zum Eintritt der fran¬ 
zösischen Truppen, und seit dieser Periode, unter welchem 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschichte 
DFG
	        
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