Full text: Archiv merkwürdiger Rechtsfälle und Entscheidungen der rheinhessischen Gerichte, mit vergleichender Berücksichtigung der Jurisprudenz von Frankreich, Rheinbaiern und Rheinpreußen (Bd. 2 (1830))

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den Steuervertheilern als ächt bestätigt hat, der Kläger 
ohne Zweifel um so mehr die erste Bedingung, um diese 
Rente in Anspruch nehmen zu können, und die darin 
besteht, in Abgang des titre primordial einen titre re¬ 
eognitif vorzulegen, erfüllt hat, als der vorgelegte Aus¬ 
zug aus dem Lagerbuche wirklich darthut, daß die, in 
demselben bezeichneten Güter von Heimersheim zum Vor¬ 
theile der Alzeier Kollectur, in deren Rechte die Tilgungs¬ 
kasse getreten war, mit einem Zinse, eine Benennung, 
welche die Foncialität der Last vermuthen läßt, belastet 
sind; 
In Anbetracht, was das zweite Erforderniß für die 
Exigibilität einer solchen Rente, nämlich den Besitz des 
Rentgläubigers oder seiner Autoren zur Zeit der französi¬ 
schen Occupation oder seitdem betrifft, daß die Regel 
welche das römische Recht in der Lex 4. C, de acqui¬ 
renda possessione aufstellt: -Licet possessio nudo animo 
acquiri non potest, tamen solo animo retinetur.. durch 
den Art. 2234, in die Gesetzgebung des vor dem Decret 
vom 9ten Vendemiaire 13ten Jahres publizirten Civilge¬ 
setzbuchs übertragen worden ist, so zwar, daß nach dem 
römischen Rechte, nach dem Civilgesetzbuche, und nach 
dem Vendemiaire=Gesetze, welches überall, wo es dem 
Civilgesetzbuche nicht derogirt, durch dasselbe interpretirt, 
und ergänzt werden muß, jeder, der einmal besessen hat, 
den Besitz fortsetzt, obgleich er seine Rechte augenblicklich 
nicht ausübt; der einmal erworbene Besitz geht nur mit 
Uebereinstimmung des Besitzers verloren, indem er die 
von ihm besessene Sache selbst an einen Dritten übergiebt, 
oder ausdrücklich auf den Besitz verzichtet; er geht wider 
seinen Willen nur dann verloren, wenn der in der Lex 
153 D. de reg. juris vorgesehene Fall eintritt: - Ut nulla 
possessio acquiri nisi animo et corpore potest et 
nulla amittitur nisi in qua utrumque in contrarium 
actum. 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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