Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

Candidaten erfolgte feierliche Promotion zum Doctor 
philosophize nur eventuelle Rechte verleihe, ob nicht 
vielmehr die Einlieferung der Dissertation nach bereits 
vollzogener Promotion nur als Actus sollemni¬ 
tatis der Aushändigung des Diploms noch vorausgehe, 
ob mindestens die Einlieferung einer den wissenschaftli¬ 
chen Forderungen entsprechenden Dissertation ex analo¬ 
gia legis 4, §. 2. D. (2,14.); leg, 1, §. 2. D. (49, 1.) 
(ck. von Wening =Ingenheim, Lehrb. des gem. 
Civ.R. Bd. 1. §. 135. Nr. 1. Thibaut, Syst. des 
Pand.R. §. 121. ed. 5. Schweppe's Röm. Priv.R. 
als Handbuch bearbeitet. ed. 4. §. 716.) nicht sowohl 
als Suspensiv=, sondern als ResolutivBedingung beur¬ 
theilt werden müsse; dieses Alles hängt meinem Urtheile 
nach von den die Promotion umfassenden factischen Um¬ 
ständen ab. Begleitete diese Promotion kein Vorbehalt 
der Reue für den Fall nicht zu billigender Dissertation; 
so sehe ich keinen Grund ein, aus welchem die Facul¬ 
tät die ausdrücklich unbedingt geschehene Promotion für 
eine bedingte behandeln dürfe, wenn sie die Ausfüh¬ 
rungen in der Dissertation nicht billigen zu können 
vermeint. Nicht die Einlieferung der Dissertation und 
nicht die Approbation derselben, nicht die Ausfertigung 
des Diploms und nicht die Aushändigung desselben 
creiren den Doctor; nur der Act der Promotion ist es, 
welcher dem Candidaten die DoctorWürde verleiht. Die 
Ausfertigung und Aushändigung des Diploms erzeugt und 
überliefert nur die Beweisurkunde darüber, daß die Promo¬ 
tion zum Doctor wirklich geschehen sey. Will man die Ap¬ 
probation der Dissertation so gewichtig achten, um sie 
als den Inhalt der tacite dem Geschäfte inwohnen 
sollenden Suspensiv- oder ResolutivBedingung der 
Promotion zu betrachten; so vergesse man nur nicht, 
zu überlegen, daß die muthmaaßlich nicht oberflächlich 
vorgenommene Prüfung des Ambienten über desselben 
wissenschaftliche Bildung und Befähigung zur Doctor¬ 
Würde unwiderleglich gründlichere Resultate zu liefern 
vermöge und geliefert haben müsse, als der Umstan 
der zu tadelnden Abfassung einer nur einzelne Mate¬ 
rien der Wissenschaft behandelnden Schrift; wie oft 
schon haben verständige Gelehrte Unverständiges behaup 
tet und geschrieben; würde man nun aber nicht un¬ 
gerecht handeln, wenn man ihnen darum die Gelehr¬ 
samkeit und Verständigkeit absprechen wollte, die sie bei 
früheren Exhibitis gründlicher sattsam bethätigt hatten? 
Denkt man an die Grundsätze der Schlüssigkeit der Um¬ 
tsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
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stände, welche tacite über Rechte und Pflichten Ein¬ 
willigungen erzeugt haben sollen (ck. Schweppe, a. a.O. 
§. 113. Thibaut, a. a. O. §. 137.); so kann man sich 
wohl nicht versucht fühlen, die Approbation der Dis¬ 
sertation als eine Bedingung der unbedingt doch schon 
geschehenen Promotion zu betrachten. Nam quilibet 
actus sua natura purus atque perfectus esse prae¬ 
sumitur, nisi constet, quod sub conditione eum dif¬ 
ferre voluerint partes (L. 7. 8. D. de jure dat. I.1. 
§. 2. D. pro dote. Glück, Erl. der Pand. Bd. 4. 
S. 479. Not. 50.). Der Gesichtspunkt, aus welchem 
ich den Fragfall für eine CivilSache betrachte, läßt 
mich auch der Meinung nicht beitreten, daß den Gerichten 
eine Entscheidung über die Frage nicht zustehe, ob die 
eingereichte Dissertation die Facultät habe befriedigen 
müssen, d. i. ob sie der wissenschaftlichen Forderung an 
eine philosophische Schrift entsprochen habe. Daß diese 
Meinung nur Relevanz erhält, wenn die Einlieferung 
und Billigung der Dissertation nach den Umständen 
des Falles wirklich für eine Bedingung der Promotion 
zu rechnen ist, fühlt sich leicht von selbst durch. Redet 
es sich also mit Recht von einer solchen Bedingung; so 
hat man zur Widerlegung jener Meinung nur zu unter¬ 
scheiden zwischen richterlicher Prüfung und rich¬ 
terlichem Erkenntnisse. Hier, wo es sich von 
der Beurtheilung eines technischen Erzeugnisses handelt, 
eines Erzeugnisses aus dem Gebiete einer Wissenschaft, 
welcher der Richter als praktischer Jurist Vorschriften 
zu geben sich nicht anmaaßen darf: in diesem Falle 
darf der Richter seine etwaige subjective Meinung von 
der Qualität der Dissertation dem Urtheile der sachver¬ 
ständigen Facultät nicht überordnen wollen. Er darf 
dieses jedoch nur aus dem Grunde nicht, aus welchem 
er überhaupt die Vorfrage zu der richterlichen Entschei¬ 
dung über die Güte technischer Leistungen eines Artisten 
durch seine nicht kunstverständige Meinung zu beant¬ 
worten keinesweges befugt ist (ck. Martin, Lehrb. 
des bürgerl. Proc. §. 207. ed. 6.). Aus diesem Grunde 
ist aber auch das Urtheil der Sachverständigen in sol¬ 
chen Fällen technischer Substrate des richterlichen Er¬ 
kenntnisses rechtlich überall zulässig; und ich kann den 
Rechtsgrund nicht herausfinden, warum nicht die ganz 
gleichen Verhältnisse in dem Streitfalle auch eine gleiche 
Behandlungsweise begründen sollen. Warum soll z. B. 
mit Verbindlichkeit für und gegen die Streittheile nicht 
das Gutachten fremder, etwa von den beiden Streit¬
	        
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