Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

bei diesen Untersuchungen nicht bloß danach geforscht werden, was 
begründet ist? Die Jury ist nichts, als die Anwendung des aben¬ 
an sich die besten und würdigsten Einrichtungen seyen, sondern 
theuerlichen Princips der unbeschränkten Freiheit des Menschen, di, 
auch, wie der rechte Geist unter Lehrern und Studirenden erweckt 
Gerechtigkeit zu handhaben. Nach den Gesetzen der Jury gibt es 
und erhalten werde; in welcher Hinsicht u. a. die Beschaffenheit 
keine öffentliche allgemeine Rechtspflege; jeder schafft sich die seini¬ 
der Staatsprüfungen und die erste Stellung der angehenden Prak¬ 
gen, je nach seinen persönlichen Ansichten, in dem Augenblicke des 
tiker nach beendigten Universitätsstudien gewiß von großer Wich¬ 
Erkenntnisses selbst. Und dieß ist so wahr, daß die Rechtspflege 
tigkeit sind. 
der Jury ein augenscheinlich richtiges Factum für falsch erklärt, 
daß sie dreist entscheidet, ein Mensch, der einen Mord selbst eingesteht¬ 
Correspondenz= und Zeitungs nachrichten. 
habe denselben nicht begangen. Dergleichen sieht man alle Tage¬ 
Wenn also die individuelle Freiheit die Grundlage des Geschwor¬ 
Leipzig, vom 9. Februar. Die seit der Stiftung der Univer¬ 
nengerichts ist, wie will man da behaupten, daß der Geschworne 
sität im J. 1409 bestandene ältere UniversitätsVerfassung, nach 
diese Freiheit nicht nach seinem eignen Sinne verstehen dürfe? Der 
der die academischen Lehrer in vier Nationen und in Professo¬ 
Moniteur beruft sich auf das System der Majorität, dem die Minori¬ 
ren alter und neuer Stiftung getheilt waren, ein Con¬ 
tät stets weichen müsse. Grade in moralischen Dingen braucht aber die 
cilium nationale magnum an der Spitze der Ver¬ 
Minorität sich der Majorität niemals zu unterwerfen; denn wer 
waltung stand, das Collegium decanale aber nebst 
wollte z. B. dem Menschen eine Meinung, einen Grundsatz, einen 
einem Collegium decemvirale und verschiedenen ein¬ 
Gedanken gebieten? Hiedurch wird übrigens das allgemeine 
zelnen Professoren die Direction aller öconomischen Angelegenheiten 
System der menschlichen Gesellschaft in keinertei Weise gestört; denn 
hatten, ist von Sr. Maj. dem Könige aufgehoben, und dagegen 
hinsichtlich der äußern Ordnung gehorcht die Minorität stets der 
die jetzt übliche Deutsche UniversitätsVerfassung angeordnet; so 
Majorität, und der Gang der Regierung wird sonach sichtlich nicht 
daß künftig unter dem Vorsitze eines jährigen Rectors die sämmt¬ 
gestört. Aber das Gewissen muß unverletzlich seyn; keine Majori¬ 
lichen ordentlichen Professoren aller vier Facultäten den academi¬ 
tät der Welt darf in dieses Heiligthum eindringen. Grade das 
schen Senat bilden, der die Berathung und Entscheidung der 
Gewissen steht nun aber mit den Pflichten des Geschwornen im 
allgemeinen academischen Angelegenheiten hat. Für die Univer¬ 
engsten Zusammenhange, wenn auch nicht hinsichtlich der gesetzlichen 
sitätsGerichtsbarkeit war bereits im vorigen Jahre ein eigner 
Verpflichtung desselben, an den Functionen der Jury Theil zu 
UniversitätsRichter nebst bleibenden Gerichtsbeisitzern von Sr. 
nehmen, doch in Betreff seines Urtheils über die ihm vorgelegten 
Maj. dem Könige angeordnet worden. Aus den Decanen der 
Thatsachen. Man condemnire daher den Geschwornen, der sich 
4 Facultäten und aus 4 auf 4 Jahre zu ernennenden ord. Pro¬ 
nicht stellt, aber man achte den Geschwornen, welcher erklärt, daß 
fessoren soll ein Verwaltungsausschuß gebildet werden. Der Rector 
er nicht mit abstimmen könne. Gegen eine solche Gewissensver¬ 
hat seinen Rang nach dem Domdechanten von Meissen, vor dem 
weigerung ist keine Strafe denkbar. Schon der bloße Gedanke 
Director des Consistorii zu Leipzig erhalten. — 
daran müßte jedes menschliche Gemüth empören. Aber, wird 
Paris, v. 13. Februar. (Ueber die Französische Jury.) 
man sagen, bei solchen Ansichten muß ja die Jury untergehen. 
gendes sind im Wesentlichen die Betrachtungen, welche die Quo¬ 
Dieses ist eine andere Frage. Wir erwiedern darauf, daß, wenn 
tidienne über den Artikel des Moniteurs in Betreff der Ge¬ 
die Jury eine den Rechten des Menschen zuwiderlaufende Insti¬ 
schwornengerichte anstellt: „Wir haben im Moniteur vom 
tution ist, sie untergehen muß; daß, wenn sie den allgemeinen 
10ten einen Aufsatz von höchster Wichtigkeit über eine rein mora¬ 
Begriffen der menschlichen Gerechtigkeit zuwiderläuft, sie unterge¬ 
lische Frage gelesen, welche die Gewissensfreiheit und die Ausübung 
hen muß; daß, wenn sie mit ihrem eignen Principe im Widerspruche 
eines natürlichen Rechtes betrifft, und können nicht umhin, dem¬ 
steht, indem sie einerseits die Freiheit, als ein Recht betrachtet, 
selben einige verkannte Wahrheiten entgegenzustellen. Ein Irr¬ 
andererseits aber ein Recht gegen diese Freiheit stiften will, sie 
thum ist vorherrschend darin. Wenn ein Geschworner sich weigert, 
untergehen muß. Und sie wird untergehen, denn alles, 
mit abzustimmen, kann das Gesetz ihn dazu zwingen? Die Frage 
was gegen die Begriffe des Wahren streitet, kann nicht von 
ist einfach, und wir beantworten sie verneinend. In der betref¬ 
Dauer seyn, und es kommen Zeiten, wo die Gesellschaft das Be¬ 
fenden gesetzlichen Verpflichtung sind zwei Dinge wohl von einander 
dürfniß fühlt, in den Genuß ihrer vorigen Rechte zurückzukehren, 
zu unterscheiden: die Erfüllung einer äußern Pflicht, nämlich die 
weil sie sonst dem Abgrunde zueilen würde, der Instinct ihrer 
Theilnahme an den Verrichtungen der Geschwornen, und die Er¬ 
eignen Erhaltung aber sie plötzlich zurückhält, was auch gottlose, 
füllung einer Gewissenspflicht, nämlich das Urtheil. Als Bürger, 
oder verirrte Gemüther thun wögen, um sie wissentlich oder ab¬ 
den Landesgesetzen unterworfen, darf Niemand sich jener äußern 
sichtslos in's Verderben zu stürzen." 
Pflicht entziehen. Als Mensch hat aber Jeder das Recht, sich zu 
Beförderung. 
weigern, durch sein Erkenntniß an irgend einer Handlung Theil 
Der bisherige Privatdocent Dr. Ernst Adolph Theodor Laspen¬ 
zu nehmen, die sein inneres Gewissen verletzt. Wer sähe nicht ein, 
res in Berlin ist zum außerordentlichen Professor in der juristi¬ 
daß dieser Unterschied in der Natur der Geschwornengerichte selbst 
schen Facultät der dortigen Königlichen Universität ernannt worden 
Göttingen, in der Expedition der allgemeinen juristischen Zeitung. 
oeln 
Max-Planck-Institut für
	        
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