Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

Allgemeine 
stische Zeitung. 
juti 
Herausgegeben 
v 0 n 
Chr. Fr. Elvers, 
ord. öffentl. Prof. der Rechte in Rostock. 
—X- 
Sonnabend, den 2. Jan. 1830. 
Dritter Jahrgang. Nr. 1. 
Allgemeine Betrachtungen 
meisten der täglichen Rechtsvorgänge festgestellt, und 
über die Nothwendigkeit 
dadurch die stets sich erneuenden gewöhnlichen Rechts¬ 
verhältnisse des Landes vor dem störenden und erschüt¬ 
eines quellengemäßen Studiums des Römischen Rechte 
ternden Einfluß der Schwankungen in der Doctrin 
auch für unsere heutigen Praktiker. 
sicher gestellt hatte. — Diese Zeit, gut oder übel, ist 
dahin; die höchsten, wie die Ober- und Untergerichte 
„Das Quellen Studium aber ist in unserer Wissenschaft, wie 
„in allen übrigen, das Einzige, was eine wahre eigentliche 
haben diese Fesseln des Gerichtsgebrauches in mate¬ 
„Bildung zu geben vermag, was uns allein vor dem geist 
rieller Hinsicht abgestreift, und sich selbstständig auf 
„losen Nachbeten schützt, und was uns in den Stand setzt, 
„mit festem sichern Schritte einherzugehen und selbstständig 
ihre eignen Füße gestellt. — Was einmal geschehen 
„unser eigner Führer zu seyn." 
Mackeldey. 
ist, und zwar in einer solchen Allgemeinheit und Ent¬ 
schiedenheit, ist als Thatsache anzuerkennen; jedoch 
Nicht selten hört man von Praktikern die Bemer¬ 
dürfen auch die daraus hervorgehenden neuen Anforde¬ 
kung, daß ihre Geschäfte zu zahlreich, die sie berühren¬ 
rungen nicht überhört werden. - 
den Rechtsfragen zu mannigfaltig seyen, als daß sie 
Welche Ansichten, fragen wir, waren es, welche 
sich auf eigentliches Quellen Studium einlassen könnten; 
diese Emancipation unserer Gerichte vom Gerichtsge¬ 
solches hätten sie vielmehr lediglich den Theoretikerr 
brauche herbeiführten? — Betrachten wir den Geist der 
zu überlassen, deren Lehrbücher nebst größern un 
neuern Zeiten, wie er sich im Politischen, Kirchlichen 
kleinern Abhandlungen ihnen zu Führern dienen 
und Bürgerlichen, in Gesetzgebung, Sitte und Wissen¬ 
müßten. — 
Gegen diese herrschende Ansicht erlauben 
schaft überall so mächtig zeigte; so müssen wir wohl 
wir uns nachstehende Bemerkungen, welche zunächst in 
zugeben, daß es unmöglich war, daß allein unsere 
Beziehung aufs gemeine CivilRecht der Nothwendig 
Gerichte von seinem Einflusse unberührt bleiben sollten. 
keit selbstständiger quellengemäßer Studien auch für 
Auch ihnen mußte das eingeschnürte, ängstliche und 
den Praktiker wenigstens andeuten, und die künftigen 
todte Wesen, was die alte Zeit mit ihren oft pedanti¬ 
Bemühungen, auch durch dieses Blatt den Eifer für 
schen Satzungen so häufig zeigte, unerträglich werden. 
solche Studien zu beleben und zu verbreiten, rechtfer¬ 
Die Ahnungen eines frischen erneueten Daseyns, wel¬ 
tigen mögen! — 
che die Völker durchzogen, mußten auch im Innern 
Es gab eine Zeit für unsere Deutschen Gerichte, 
der Richter wiederklingen, und sie ermuthigen, da, 
in welcher ein anerkannter Gerichtsgebrauch nicht bloß 
wo nicht die Gesetzgebung im wohl- oder übelverstan¬ 
die Formen des gerichtlichen Verfahrens, sondern auch 
denen Geiste dieser neuen Zeit, an die Stelle des alten 
die Grundsätze der richterlichen Entscheidung für die 
Rechtes ein neues Gesetz gestellt hatte, jene Schranken 
Max-Planck-Institut für 
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