Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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ihm noch für die Wissenschaft selbst nicht ganz werthlos. — 
Aus diesen Bestrebungen des Verf. sind die Versuche hervor¬ 
gegangen, die er dem Publicum vorzulegen gedenkt. Nach 
der in diesem ersten Hefte mitgetheilten Probe zu schließen, 
können wir den Verf. nur auffordern, ja in der angefange¬ 
nen Weise fortzufahren. 
Derselbe hat in vorliegendem Hefte, um eine gehörige 
Grundlage für seine Entwicklung der pfandrechtlichen Begriffe 
zu gewinnen, ein großes, höchstinteressantes Gebiet näher 
zu erforschen gesucht, welches in unsern seitherigen juristi¬ 
schen Lehr- und Handbüchern, wie Ref. schon verschiedent¬ 
lich auch in diesen Blättern gerügt hat, fast ganz unbe¬ 
rücksichtigt geblieben ist, nämlich die Lehre von der Uni¬ 
versilas rerum, woran der Verf. höchst zweckmäßig auch 
seine Forschungen über das Genus angereiht hat. Ungeachtet 
das fleißige und umsichtige Quellen Studium des Verf. und 
sein Bestreben, in den innern Grund und Zusammenhang 
der Römischen Bestimmungen einzudringen, uns überall er¬ 
freulich entgegentritt, und manches Neue und Beherzigens¬ 
werthe von ihm aus unserm guten alten, und leider noch 
zu einem großen Theile verschlossenen Corpus juris zu Tage 
gefördert ist; so bedauren wir doch recht sehr, daß einige 
nicht zuvor abgelegte Vorurtheile ihn in mehreren sehr wesent¬ 
lichen Punkten das wahre Sachverhältniß in den Quellen 
nicht haben erkennen lassen. Der Verf. hat nämlich die ge¬ 
wöhnliche Ansicht festgehalten, daß jedes Vermögen eine 
Universitas sey; auch den Unterschied zwischen einer wah¬ 
ren Universitas und einer todten Masse ohne den juristischen 
Einheitsbegriff, nicht genug beachtet; wodurch der Fehler 
entstanden ist, daß er dasjenige, was von der Verpfän¬ 
dung eines gewöhnlichen Vermögens, als eines todten Agre¬ 
gates von Einzelheiten, gilt, als Regel für die Verpfändung 
jeder eigentlichen Universitas juris aufstellt; was sich weder 
aus der allgemeinen Ratio juris; noch aus einzelnen Steller 
nachweisen läßt. Wir beziehen uns übrigens hinsichtlich 
des Begriffes der Universitas hier auf dasjenige, was 
wir schon früher in diesen Blättern darüber mitgetheilt ha¬ 
ben. — Können wir daher dem Verf. auch nicht in Allem 
unbedingt beistimmen, so bleibt doch immer des Guten und 
Lobenswerthen in seiner Schrift mehr, als daß wir es hier 
alles gehörig hervorzuheben vermöchten; weshalb wir unsere 
Leser auf die Schrift selbst verweisen, und unsere obige 
Aufforderung an den Verfasser wiederholen. 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
A. Species facti et deductio juris ex Fideicom¬ 
misso et Pacto familiae successorio, zur Sache 
des Oberamtmanns Dav. Leon. Bluhm, zu Pew¬ 
sum in OstFriesland wider den Justizcommis- 
sair Schnedermann zu Leer. Emden 1830. 51 S. 
B. Ueber den Einfluß des Französischen 
Rechts auf Fideicommisse in Deutschland, ein 
Versuch zur Lösung der bekannten darüber auf¬ 
gestellten Streitfrage, mit besonderer Rück¬ 
sicht auf den Bluhmschen Rechtsstreit über das 
von Westendorphsche Fideicommiß in Ostfries¬ 
land, entworfen von H. Leisemühl." Braun- 
schweig' in Commission bei Vieweg. 1830. 162 S. 
Bekanntlich verfügt der Code Napoléon im Art. 896: 
«Les substitutions sont prohibées." Ueber die Wir¬ 
kung dieses Artikels hinsichtlich der bestehenden Substitutionen 
oder Fideicommisse entstanden bei der Anwendung des Code 
Napoléon in Deutschland gleich erhebliche Zweifel. Für das 
Königreich Westphalen ward diese Frage durch ein unterm 
9. Januar, 1808., vom Könige bestätigtes Gutachten des 
Staatsrathes (abgedruckt im 7. Anhang der officiellen Ausg. 
des C. N. für das Königreich Westphalen, Straßburg, 1808., 
dahin entschieden, daß Kraft des 896. Art. die fideicommis¬ 
sarischen Substitutionen zwar nicht weiter bestehen könnten, 
dennoch aber der nächste FideicommißErbe, welcher vor 
dem 1. Januar, 1808., geboren sey, noch zur Succession 
gelangen könne, jedoch nur er allein, und dergestalt, daß 
ihm die völlig freie Verfügung über die Güter zustehe. Für 
die neuen Hanseatischen Departements Frankreichs verfügte 
der Art. 155. des OrganisationsDecretes vom 4ten Julius, 
1811.: “ Les substitutions de la nature de celles, qui 
sont prohibées par le Code Napoléon, seront abolies 
et cesseront d'avoir leur effet, à compter du jour où 
ce Code sera mis en activité. — Néanmoins la sub¬ 
stitution, faite antérieurement à la mise en activité 
de ce Code, tiendra au profit du premier appelé, 
né avant cette époque. Hors ce seul cas, le grevé 
jouira des biens comme propriétaire incommutable. 
Was OstFriesland (l'Ems-Oriental) betrifft, in welches 
der Code Napoléon selbst schon am 1. März 1811. einge= 
führt war, so ward obige Bestimmung hierauf erst durch 
ein Kaiserliches Decret vom 24. Januar, 1812., ausgedehnt, 
worin es hieß: L'article 155. de notre décret du 4 me 
— ; portant que les substitutions, 
Juillet dernier
	        
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