Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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jedes andere lebende Wesen, schon seinem Instincte folgend, 
solche an die Spitze ihrer rechtlichen Ausführungen stellten; 
seine ihm angeborene Natur entwickelt und so seiner Bestim¬ 
so ist es allerdings unerläßlich, tiefer in den Sinn dieser 
mung genügt; ist der Mensch berufen, diese seine Natur 
so sehr hervorgehobenen Sätze einzudringen. Dieses dürfen 
und gegenwärtige irdische Bestimmung selbstthätig durch An¬ 
wir aber um so weniger übersehen, je mehr wir für unsere 
wendung der ihm gewordenen Ratio zu erkennen, und aus 
Zeit die Aufgabe anerkennen, die Einzelheiten des Römischen 
freiem Antriebe ihr Genüge zu leisten. — Die Ratio, dieses 
Rechts auf die leitenden Rationes zurück zuführen, und in 
Vermögen, die Rationes außer uns zu erkennen, zeigt 
deren Erforschung und Ausbildung das eigentlich Wissen¬ 
nun aber nach der Lehre der Römischen Juristen, daß eine 
schaftliche des RechtsStudiums zu suchen. Wenn nun aber 
Störung der ursprünglichen Natur und Bestimmung der 
die gesammte Römische Jurisprudenz grade durch diese lei¬ 
Menschen eingetreten sey und daß der gegenwärtige Zustand 
tenden Rationen ein organisches Ganze geworden ist, so 
der Menschheit, mit getrennten Völkern, getheiltem Eigen¬ 
müssen wir, wollen wir anders dieses ergründen, in dem, 
thume, Ausgleichung der gegenseitigen Bedürfnisse durch 
was von den Römischen Juristen, und gleichmäßig von 
Handel und Wandel, nicht als der ursprüngliche betrachtet 
Institutionen und Pandekten, als Inbegriff der höchsten 
werden könne *). Aber der durch Krieg und Gewalt herbeige¬ 
Rechtsgrundsätze an die Spitze gestellt wird, dasjenige er¬ 
führte Zustand der Trennung hat darum doch wieder eine 
kennen, worin alle Rationen zusammenlaufen, und was 
eigenthümliche rechtliche Natur, welche durch Entfernung 
demnach den Schlüssel des ganzen wissenschaftlichen Systems 
aller weiteren Gewalt und Ungerechtigkeit aufrecht erhalten 
des Römischen PrivatRechts enthält. 
werden soll. Dieses bringt es aber nothwendig mit sich, daß 
Daß das Römische PrivatRecht seinem Ursprunge 
die einzelnen Völker zu besondern Gemeinheiten oder Civitates 
nach dreifach eingetheilt wird, ist allbekannt. Gewöhnlich 
sich vereinigen, um in diesen zunächst eine gemeinsame 
übersieht man aber, daß Institutionen und Pandekten hier 
Gewähr für die Aufrechterhaltung des äußern und innern 
gleichfalls von drei Arten der Praecepta juris handeln, 
Friedens und für die Abwendung jeder Gewalt und Unge¬ 
indem es in beiden heißt: „Privatum jus tripertitum est: 
rechtigkeit zu begründen. Die Natur dieser Staatsgewähr 
collectum etenim est ex naturalibus praeceptis, aut 
verlangt nun aber insbesondere auch die Feststellung der 
gentium, aut civilibus *)." Stellt man dieses zusam¬ 
streitigen Rechte der einzelnen Genossen und daher Rechts¬ 
men mit dem Satze: „Juris praecepta sunt haec, ho¬ 
pflege und Rechtsgesetzgebung. Erst durch sie wird das 
neste vivere, alterum non laedere, suum cuique tri¬ 
PrivatRecht wahrhaft existent, nach welchem die Rechte und 
buere;" so geht schon aus dieser Uebereinstimmung des 
Pflichten der einzelnen Staatsbürger mit Beziehung auf die 
Ausdruckes, und zwar desselben Juristen, die hohe Wahr¬ 
bürgerliche Rechtspflege näher bestimmt werden. - 
scheinlichkeit hervor, daß die drei Praecepta den drei Partes 
In so fern es sich nun von der wissentschaftlichen Auf¬ 
juris entsprechen, und zwar das: Honeste vivere dem Jus 
fassung und Darstellung des in einem Staate geltenden Pri¬ 
naturae, das Alterum non laedere dem Jus gentium, 
vatRechts handelt, müssen nothwendig diejenigen Grundsätze, 
das Suum cuique tribuere dem Jus civile. — Eine 
welche in der ursprünglichen und göttlichen Natur des Men¬ 
nähere Prüfung wird dieß bestätigen. 
schen gegründet sind, von denjenigen unterschieden werden, 
Das PrivatRecht beschäftigt sich mit den Rechtsverhält¬ 
welche die Natur des jetzigen getrennten socialen Lebens auf 
nissen der Einzelnen als solcher („ad singulorum utilita¬ 
der einen, und die eigenthümlichen Verhältnisse und Gesetz¬ 
tem spectat"). Der einzelne Mensch, in der Totalität 
seiner Lebensverhältnisse, und zwar nach der, von den Rö¬ 
2) L. 4. D. 4, 1: „Quae res a jure geutium originem sump¬ 
mischen Juristen befolgten Weise der Stoa **), aufgefaßt, 
sit; utpote cum jure naturali omnes liberi nascerentur, 
ist nun aber verpflichtet secundum naturam zu leben, d. i. 
nec esset nota manumissio, cum servitus esset incognita." 
nach der ihm inwohnenden, aber nach den jetzigen Welt¬ 
L. 5. D. e. t.: „Ex hoc jure gentium introducta bella, dis¬ 
und Staatsverhältnissen modificirten Lex divina. Während 
cretae gentes, regna condita, dominia, distincta, agris 
termini positi, aedificia collocata, commercium, emptio¬ 
nes, venditiones, locationes, conductiones, obligationes 
*) § 4. I. 1,1; 1.1, § 2. d. 1,1 (Ulpianus lib. 1 Institutionum.) 
institutae, exceptis quibusdam, quae a jure civili intro¬ 
ductae sunt." 
**) S. Welckers Universal= und juristische Encyclopädie, S. 61 rc. 
Planck-Institut fi
	        
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