Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

387 
das PaternitätsVerhältniß, sondern das Alter= und Geschlechts= 
Vaters und des mündigen Sohnes aussprechen, enthalten 
verhältniß die Entscheidung veranlasse, daß der unmündige 
dagegen nach dem Verf. Ausnahmen von dieser Regel zu 
Sohn für eher gestorben gehalten werden solle, als Vater 
Gunsten besonderer Verhältnisse; wie denn auch die 1.9, §.2. 
oder Mutter. Wenn die 1. 23 D. de reb. dub. den mün¬ 
ausdrücklich bemerkt, daß sie so entscheide, „reverentia 
patronatus suggerente." 
digen Sohn die Mutter überleben lasse, so beruhe dieses 
Im 3ten Capitel wendet 
einfach auf dem Vorzuge des männlichen Geschlechts vor 
der Verf. die so gefundene Theorie: daß die Stärkeren die 
dem weiblichen; wenn die 1. 16 pr. D. e. t. behaupte, 
Schwächeren überleben, namentlich männliche Personen die 
daß, wenn die Mutter und die mündige Tochter in Einer 
weiblichen, Mündige die Unmündigen, mündige Söhne ihre 
Gefahr umkämen, die Mutter die Tochter nicht überlebt 
Väter, im Uebrigen aber gleichzeitiger Untergang in gemein¬ 
habe (Mater filiae non supervixit), daraus nicht, wie 
samen Gefahren angenommen werde, auf die Interpretation 
gewöhnlich geschehe, gefolgert werden dürfe, daß die Tochter 
der einzelnen in diese Lehre schlagenden Gesetzesstellen an. 
die Mutter überlebt hätte, sondern daß beide, da weder 
Im 4ten Capitel endlich handelt er von dem praktischen 
Alter noch Geschlecht hier einen Vorzug begründen, zu glei¬ 
Gebrauche dieser Lehre, und zwar theils von ihrem Umfange, 
cher Zeit gestorben seyen. Die J. 9, §. 3. D. e. t. welche 
theils von der Entscheidung einzelner Rechtsfälle. Wir hät¬ 
für den Fall, daß Mann und Frau in Einer Gefahr umkä¬ 
ten gewünscht, daß es dem Verf. gelungen wäre, noch 
men, behaupte, daß die Frau noch in der Ehe gestorben 
mehrere interessante Rechtsfälle, das Recht der Commorien¬ 
sey, zeige deutlich die auch hier eintretende Prävalirung des 
ten betreffend, nachweisen zu können, um dadurch die rechte 
Geschlechts. Dasselbe beweise auch ebenfalls in Beziehung 
Brauchbarkeit seiner Theorie fürs wirkliche Leben noch über¬ 
auf die Ehe, die 1. 32, §. 1 D. de religiosis. Die 1.16, 
zeugender darzuthun. Weil aber Fälle dieser Art nur seltner 
§. 1 D. de reb. dub. rede von zwei mündigen Männern, 
zur richterlichen Entscheidung kommen, so darf man daraus 
und statuire daher auch mit Recht den gleichzeitigen Tod. 
nicht, wie oft geschieht, fälschlich schließen, daß die ganze 
Die 1. 17 D. e. t. möchte eine Schwierigkeit darbieten, wenn 
Lehre darum weniger praktisch wichtig sey; zumal da von 
man den Schluß der 1. 18. darauf bezöge; allein vielmehr 
ihr die Entscheidung der wichtigsten Erbschaftsstreitigkeiten 
sey das, was die 1. 16. von der Nichtigkeit des Geschäfts 
allein abhangen kann. 
enthalte, weil der begünstigte Theil den andern nicht über¬ 
lebt habe, auch auf den Fall zu beziehen, daß die Dos der Frau 
prälegirt sey und beide Gatten in Einem Unfalle umkämen, 
Zur Lehre von der richterlichen Bestätigung eines, 
wobei das Prälegat der Frau nicht zu statten käme, da sie 
die Scheidung von Tisch und Bett betreffenden 
vor dem Manne gestorben sey. Die aus der 1. 8 D. de 
Vergleiches zwischen Ehegatten. 
reb. dub. in Verbindung mit 1. 32, §. 14, D. de donat. 
inter V. et U. und der 1. 26 D. de m. c. donat. anschei¬ 
(Mitgetheilt aus den Entscheidungsgründen eines Erkenntnisses 
des Ober AppellationsGerichtes in Lübeck.) 
nend hervorgehenden Schwierigkeiten sucht der Verf. dadurch 
zu heben, daß nach ihm die eigenthümliche Natur, der 
Donatio inter virum et uxorem die Annahme verlangt 
habe, daß Mann und Frau zu gleicher Zeit gestorben seyen.— 
Die Beklagte bestreitet ihre Verbindlichkeit zu ihrem Ehe¬ 
Dagegen nimmt der Verf. an, daß die 1. 9, §. 1 u. 4 D. 
manne zurückzukehren, aus einem zwiefachen Grunde: 
de reb. dub., welche den mündigen Sohn den Vater über¬ 
1) wegen des Vergleichs vom 15ten Dec. 1818. worin der 
leben läßt, nicht eine Ausnahme, sondern eine besondere 
jetzige Kläger im §. 5. auf alle ihm aus dem ehelichen Ver¬ 
Modification der Hauptregel enthalte, indem bei dem mün¬ 
hältnisse erwachsenen Rechte Verzicht geleistet hat: 2) deshalb, 
digen Sohne nach den natürlichen Verhältnissen mit Recht 
weil sich der Kläger zu jener Zeit eines Ehebruchs schuldig 
eine größere Kraft, als bei dem Vater angenommen werde, 
gemacht und sich durch seine ausschweifende Lebensart die 
was jedoch nicht, wie die 1. 16 e. t. zeige, auf die mün¬ 
Lustseuche zugezogen gehabt habe. 
dige Tochter und die Mutter eine Anwendung leide. Die 
Von diesen Einreden ist nun aber die letztere in erster 
1. 9. §. 2 D. e. t. und die 1. 17, §. 4 D. Ad S. C. Tre¬ 
Instanz überall nicht vorgebracht, sondern erst in Re¬ 
bellianum, welche wieder den gleichzeitigen Untergang des 
visorio nachgeholt worden, indem die Gründe auf welche 
Max-Planck-Institut für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer