Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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gleich aber auch die Grundverschiedenheit zwischen Tutela und Potestas 
„aber ist das Reich der Gerechtigkeit des Friedens und der 
jedem wohl klar genug ist, der sich in den Römischen Rechtsbegriffen 
„Liebe unauflöslich gekettet!" 
einigermaaßen orientirt hat. — Den Tutor notitiae causa datus 
Eben um der Wahrheit und um des wahrhaftigen Rei¬ 
zählt der Verfasser zu den Tutores gerentes, weit entfernt, daß 
ches der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe willen 
dessen Thätigkeit sich auf bloßes Rathgeben beschränke, handle 
wünschen auch wir nichts mehr, als daß endlich aus dem 
vielmehr der Tutor gereus nach seiner Anweisung, sey sein Organ, 
Gebiete der Religion und Kirche jene Heuchelei, Gleichgül¬ 
wie denn auch das Wort instruere nicht guten Rath geben bedeute, 
sondern einem sagen was seine Pflicht und Schuldigkeit sey. Ein 
tigkeit, und Formenherrschaft verschwinden, welche in Folge 
solcher Tutor notitiae causa datus wurde gewöhnlich dann bestellt, 
des Unglaubens auf der einen, und der Einmischung der 
wenn das Vermögen des Gereus zu gering war, um dem Pupillen 
Staatsgewalt auf der andern Seite jetzt leider allgemein ge¬ 
hinreichende Sicherheit zu gewähren. Die Römer pflegten nemlickh 
funden werden. Möge Jedermann die Pflicht erkennen, sich 
den Sclaven der bisher die Hausrechnungen und Geschäfte geführt 
ernstlich zu fragen, ob er Christo und seiner Kirche wahr¬ 
hatte, frei zu lassen und ihn als Tutor zu bestellen weil er die 
haft angehören wolle, oder nicht; möge die Staatsgewalt 
Verhältnisse des Pupillen am besten kannte. Diesem ließ man nun die 
Capitalien für die er natürlich wenig Sicherheit darbieten konnte nicht 
die Folgen solcher ernstlichen Gewissensfragen ungestört sich 
in Händen, sondern ordnete ihm noch andere Tutoren bei, um über 
entwickeln lassen, so lange sie nicht den Staat selbst in sei¬ 
seine Verwaltung zu wachen. Er war übrigens nicht bloß deren 
nen wesentlichen Rechten gefährden! Und darum wünschen 
Werkzeug, sondern hatte ebenfalls mit zu reden, auch an ihn konnte 
wir, daß auch den Pilalethen, die mit Christo auch alle 
gültig gezahlt werden (L. 14. s. 6. D. de solut.); auch haftet er 
principaliter wie die Gereutes. Der Verfasser stellt weiter die Be¬ 
Christlichen, für sie bedeutungslosen Formen aufgeben wollen, 
hauptung auf, daß auch der Tutor honorarius auctoritatem interpo¬ 
niren könne, und bemüht sich die Stellen welche Zweifel und Mei¬ 
volle Gewissensfreiheit zu Theil werde. 
nungsverschiedenheit darüber veranlaßten L. 4. D. de auctor. et con¬ 
sensu tut. L. 14. §. 1. de solutionibus. L. 49. D. de acquir, vel 
omittend. hereditate zu vereinigen. — Was das Deutsche Recht 
betrifft, so behauptet der Verfasser, daß demselben der Unterschied 
Kurze Nachrichten von neuen juristischen 
zwischen Tutel und Cura von den ältesten Zeiten her unbekannt ge¬ 
wesen, ja daß er selbst nach Verbreitung des Römischen Rechts, der 
Schriften. 
Praxis der Sache nach fremd geblieben, wenn gleich spätere Gesetz¬ 
gebungen ihn dem Namen nach aufgenommen; denn obschon sich be¬ 
Vergleichung der Römischen Tutel und Cura mit der heutigen 
deutende Verschiedenheiten zwischen den Vormündern der Unmündi¬ 
Vormundschaft über Unmündige und Minderjährige. InauguralAb¬ 
gen und der Minderjährigen ergeben, so kennt das heutige Rech 
doch keine Tutel der Unmündigen als eine Ergänzung ihrer bürger¬ 
handlung von Heinrich Zoepel Doctor der Rechte. Bamberg 
lichen Persönlichkeit. - Rom sieht in dem Unmündigen ein Capur 
und Aschaffenburg, 1828. 
familiae, den werdenden Staatsbürger der einen Willen hat, 
Es war nicht des Verfassers Absicht eine vollständige Paralelle 
ihn aber noch nicht selbstständig offenbaren kann, einer Ergänzung 
der Auctoritas des Tutors bedarf; der Deutsche betrachtet ihn nur 
zwischen dem ganzen Römischen Vormundschaftswesen und dem heut 
als Glied der Familie, er steht seines Alters wegen unter einem 
zu Tage in Deutschland praktischen aufzustellen, er wollte hauptsäch¬ 
höhern Schutz, seine Handlungen werden nicht ergänzt, er hat keine 
lich nur die Frage erörtern: Kennt das in Deutschland praktische 
vorzunehmen, er braucht wie jeder, dem aus dem einen oder dem 
anderen Grunde die Vollfreiheit die Civität der Deutschen ab¬ 
Recht auch den Unterschied zwischen Tutoren und Curatoren, oder 
geht zu seiner Vertretung einen Mund der für ihn spricht. Wäh¬ 
wie ist diese Lehre des Römischen Rechtes, durch eigenthümliche 
rend nun zwischen Tutel und Patria potestas eine Analogie nicht 
Deutsche Rechtsansichten, Praris und Reichsgesetze modificirt worden. 
besteht, gibt es nach der Ansicht des Verfassers allerdings eine solche 
in Beziehung auf die Vermögensverhältnisse zwischen dem Mun¬ 
Es ergiebt sich demnach, daß diejenigen Veränderungen, welche 
dium und der Römischen väterlichen Gewalt. Der Unterschied zwi¬ 
das Römische Recht, in den die Vormünder der Impuberum und 
schen beiden besteht bloß in der verschiedenen Art des Dominii, wel¬ 
Minorum gleichmäßig betreffenden Bestimmungen erlitten hat, hier 
ches dem Berechtigten an dem Vermögen des der Patria potestas 
oder dem Mundium unterworfenen zusteht. Bei der Patria potestas 
keine Berücksichtigung finden können, z. B. in Betreff der Beeidi¬ 
consolidirt sich das Vermögen des Filiussamilias mit dem des 
gung und Satisdatio der Vormünder, der Juventarserrichtung 
Paterfamilias, der Haussohn ist rein vermögenslos, und in dieser 
und Rechnungsablage u. s. w. 
Beziehung seine Persönlichkeit in der des Hausvaters untergegan¬ 
gen. — Der dem Mundium Unterworfene verliert nicht alle 
Sehr scharfsinnig untersucht der Verfasser in wiefern die Tutel, 
Vermögensrechte, er befindet sich nur in der Unmöglichkeit sie so 
der Patria potestas analog sey, und bemerkt sehr richtig, daß dies 
lange er unter dem Schutz eines Andern steht geltend zu machen; 
Analogie wohl keinen andern Grund gehabt haben möge als das 
sie gehen daher zwar in die Were (Gewer) seines Schutzherrn, aber 
nicht in sein Eigenthum über. - Der Schutzherr hat nur eine 
bloße Wort Potestas, das in der bekannten Definition L. 1. D. de 
Nutz=Gewer als eine Art Vergütung der übernommenen Schutz¬ 
tutelis in einer offenbar nicht technischen Bedeutung vorkommt. — 
pflicht. — Sollten diese Verschiedenheiten nicht das Wesen der 
Wir folgen ihm bei Entwickelung seiner übrigens mit vielem Fleiß 
Sache so sehr treffen, um schon an sich die behauptete Analogie zu 
widerlegen? 
zusammengestellten Gründe nicht, da die scheinbare Aehnlichkeit, zu¬ 
Göttingen, in der Expedition der allgemeinen juristischen Zeitung. 
ibliothek 
Max-Planck-Institut für
	        
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