Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

befreit wird, wo der Käufer schon so den Fehler deutlich sieht 
und der weitern Nachweisung also nicht bedarf. Ist eine 
solche nöthig, so ist gerade der Verkäufer selbst derjenige 
welcher aufs Entschiedenste dazu verpflichtet ist und daher 
nicht auf einen andern Kunstverständigen den Käufer hin¬ 
weisen darf. 
5. Demnach bedarf es nur einer richtigen Würdigung des 
Grundes und Geistes der Aedilitischen Gesetzgebung, so wie 
dessen, was der Implorant als Verkäufer vom Imploraten 
als Käufer seiner Pferde in Beziehung auf die richtige Wür¬ 
digung der Kennzeichen eines fehlerhaften Pferdes erwarten 
durfte, um mit vollkommener rechtlicher Sicherheit die An¬ 
sprüche des Klägers und Imploraten auf Anzeige des Fehlers, 
und widrigenfalls auf Rücknahme der verkauften Pferde oder 
Minderung des Kaufgeldes als begründet zu erkennen rc. rc." 
Ueber die ähnliche Bedeutung der Freigehung 
des Handels und des Rechtes. 
Im Mittelalter hatte der Handel bekanntlich mit vielen 
großen Hindernissen zu kämpfen, mit unzählichen Zöllen 
großer und kleiner Herren, mit Unsicherheit des Meeres und 
der Landstraßen, mit einem ewigen Kriegs- und Fehdezu¬ 
stand, und mit manchem Andern. Dennoch aber überwand 
der Handel jener Zeit alle diese Hindernisse und erhob sich 
zu einer solchen Blüthe und Allgemeinheit, daß unser heuti¬ 
ger Handel im Vergleich mit ihm nicht mit Unrecht von 
mehreren Geschichtsforschern ein bloßer Krämerhandel genannt 
worden ist. Vorzüglich erfreulich erscheint an jenem ältern 
Handel die große Gewerbsthätigkeit und der damit verbun¬ 
dene Wohlstand, den er nicht bloß über einige wenige Haupt¬ 
handelsorte, sondern durch alle Länder und Städte nament¬ 
lich auch unsers Deutschen Vaterlandes verbreitete, und so 
eine reiche blühende Stadt- und Handelswelt hervorrief, die 
sich auch in zahlreichen rechtlichen Bildungen von den Zünf¬ 
ten und Innungen an, bis zur Deutschen Hansa lebend und 
tüchtig erzeigte. Das alles bewirkte aber das kräftige Ge¬ 
fühl der Freiheit und Selbstständigkeit, was jene Kauf- und 
Gewerksmannschaft beseelte, und was sie mit regem Eifer 
alle Vortheile ergreifen und allem Nachtheiligen wehren ließ. 
Freilich wirkten auf den Deutschen Handel und Gewerb¬ 
fleiß der dreißigjährige Krieg, die veränderten Handelswege, 
Max-Planck-Institut für 
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der Verfall des ganzen Bürgerthums zerstörend ein; allein 
die Deutsche Ausdauer und Betriebsamkeit würde sich auch 
hier schneller wieder Bahn gebrochen und das Wiederaufblü¬ 
hen von Handel und Gewerbe auch unter den veränderten 
Verhältnissen herbeigeführt haben, wenn nicht leider seit dem 
Anfange des vorigen Jahrhunderts, in Folge jener sich er¬ 
hebenden falschen Aufklärerei, die Staatsregierungen eine 
Stellung in ihren eigenen Augen und in denen des größern 
Publicums eingenommen hätten, welche alle eigne Kraft und 
Sowie 
Tüchtigkeit der Nation durchaus lähmen mußte. — 
die Regierung sich berufen hielt, in Verbindung mit den 
aufgeklärten und erleuchteten Weisen des In- und Auslandes 
alles Heil und alles Licht über ihre in der Finsterniß der 
Vorurtheile befangenen Unterthanen ausströmen zu lassen; so 
fing man auch von der andern Seite allmählich an, allen 
irdischen Segen und Wohlstand allein von der Regierung zu 
erwarten, als unmündige Kinder sich überall nur von ihr 
gängeln und leiten zu lassen, jedoch auch nach Kindes Art 
zu schreien und zu weinen, sobald die liebe Mama es ihnen 
doch nicht Recht machte, ihre Schüsseln und Teller nicht 
reichlich genug versorgte, und dagegen in Zeiten der Noth so 
manche ihrer schönen Spielsachen, Pathengeschenke einer gu¬ 
ten alten Zeit, blanke Thaler und Silbergeschirr und derglei¬ 
chen, ihnen abforderte. — In diesen traurigen Zeiten der 
Verblendung der Höheren und der Unmündigkeit der Niederen, 
konnten Deutschlands Handel und Gewerbe sich unmöglich 
wieder verjüngen und erneuern. Mochte auch jene Aufklä¬ 
rung im Gebiete der Naturwissenschaften zu manchen, die Ge¬ 
werbe fördernden Entdeckungen führen; mochte der forschende 
Geist manche neue Handelswege eröffnen, alles dieses konnte 
Handel und Gewerbe aus ihrer Lethargie nicht erlösen, so 
lange der frische und tüchtige Mannessinn, den sie vor allen 
erfordern, noch gebunden war; so lange die Regierung die 
Masse ihrer Kauf- und Handwerksleute als unmündige Kin¬ 
der behandelte, die sich unmöglich selbst überlassen werden 
dürften; so lange sie durch ihr künstliches Zoll System die 
natürlichen Verhältnisse zu beherrschen und jeden Gewinn des 
Auslandes zu vereiteln trachtete, sich ihrer Klugheit rühmend 
durch dasselbe Mittel den armen inländischen Fabrikanten 
und Producenten aufgeholfen, und ihre eignen Einkünfte be¬ 
deutend vermehrt zu haben. Wie lange dieß System alle 
Welt gedrückt hat, wie wenig es auch noch jetzt ganz ver¬ 
schwunden ist, weiß jeder. Aber von England und seinen 
großen Staatsmännern her ist der Ruf zur Freiheit der Han¬ 
delswelt durch ganz Europa geschollen, und erfreulich und
	        
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