Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

282 
uns einige in der literärischen Welt rühmlichst bekannte Män¬ 
Verlust ansehen, wenn ein Glied, welches ihr geistig nicht 
ner genannt worden sind, an sich ein höchst ehrenwerthes 
angehört, erklärt, ihr auch äußerlich nicht mehr angehören 
genannt werden muß. Die Tendenz desselben wird jeder 
zu wollen; da die ganze äußere kirchliche Gemeinschaft durch 
leicht einsehen, der es begreift, wie es einem redlichen, 
die innere bedingt sey und die Kirche nur ein Interesse da¬ 
durch und durch wahrhaft gesinnten Manne unerträglich ist, 
bei habe, die eingeschlichenen fremdartigen Elemente bald 
äußerlich einen Charakter zu führen, der ihm nach seinem 
möglichst zu entfernen. Wenn kein rechtschaffener Geistlicher 
eignen Urtheil fremd ist; auf ein Evangelium z. B. zu schwö¬ 
einem Juden rathe, sich taufen zu lassen, der ihm selbst ge¬ 
ren, zu dem er sich nicht bekennt; seine Kinder im Namen 
steht, den Christlichen Glauben nicht zu haben; wie solle er 
eines dreieinigen Gottes taufen zu lassen, den er nicht als 
denn auf ein solches Geständniß hin nicht ebensowohl den 
den wahren Gott erkannt hat; sie auf ein Glaubensbekennt¬ 
Austritt aus der Kirche anempfehlen? — Die Gewährleistung, 
niß confirmiren zu lassen, das er für einseitig und falsch 
die aber der Staat in dem ReligionsBekenntnisse der Untertha¬ 
hält. — Das Evangelium Jesu Christi aber, das durch 
nen suche, sey nur scheinbar, weil ja dem Regenten dafür 
jenen Zwang, von dem die Bittsteller befreit zu werden 
keine Sicherheit gegeben werden könne, daß die ausge¬ 
wünschen, aufrecht erhalten werden soll, verwirft aufs Ent¬ 
sprochenen religiösen Ueberzeugungen nun auch die wah¬ 
schiedenste allen äußern directen oder indirecten Zwang in 
ren innern seyen. Wer ohne Aussicht auf zeitliche Vor¬ 
Glaubenssachen, als seinem Wesen durchaus widerstreitend. 
theile, ja mit der Erwartung von Nachtheilen und Beschwer¬ 
Es will nur siegen durch die geistige Gewalt der Wahrheit, 
den sich weigere, gewisse religiöse Ueberzeugungen als die 
und ist in dieser seiner wahren Macht und Stärke gelähmt, 
seinigen anzuerkennen, biete mehr Sicherheit für die Recht¬ 
sobald eine äußere Gewalt seine Sache zu verfechten unter¬ 
schaffenheit seines Charakters dar, als der Heuchler und der 
nimmt. Darum halten wir dafür, daß der Staat, der 
Indifferente, denen doch nichts im Wege stehe, um als 
wahrhaft ein Christlicher, Evangelischer Staat seyn will, im 
Vollbürger im Staate zu leben. Einem guten Rufe müsse 
Interesse des Evangelii keine wohlthätigere Maaßregel be¬ 
sicher mehr Beweiskraft beigelegt werden, als dem so leicht 
schließen könne, als wenn er allen Staatszwang in Sachen 
abgelegten, und so mannigfacher Deutung fähigen Religions¬ 
des Glaubens vollkommen aufhebt und, im Sinne der Bitt¬ 
Bekenntnisse. Sollten jedoch auch religiöse Glaubensbekennt¬ 
steller, es jedem Unterthan völlig frei läßt, ob und zu wel¬ 
nisse für nothwendig erachtet werden, um der vollen Staats¬ 
cher Kirchengenossenschaft er sich halten wolle. Es im Ein¬ 
bürgerrechte theilhaftig zu werden oder zu bleiben, so würde 
zelnen nachzuweisen, wie Staat und Kirche bei dieser völli¬ 
eine Erklärung über die allgemeinsten Punkte der religiösen 
gen Glaubensfreiheit, welche Wahrheit und Redlichkeit an 
Ueberzeugung nicht schwierig seyn, nur daß die dadurch be¬ 
die Stelle der Lüge und Heuchelei setze, nur gedeihen kön¬ 
gründete religiöse Gesellschaft bloß eine solche seyn könnte, 
nen, würde uns hier zu weit führen. Wir werden jedoch 
welche keine andern Dogmen haben würde, als welche schon 
diesen Beweis an einem andern Orte zu führen versuchen, 
durch den Begriff der Religion überhaupt bedingt wären. 
und machen hier nur noch bemerklich, daß eine solche 
Würde dieses nicht genügen, so könnten gesonderte Glaubens¬ 
Glaubensfreiheit allein im Stande seyn wird, die Lüge und 
bekenntnisse der Einzelnen dem Uebelstande abhelfen. — Ihre 
Heuchelei von unsern Christlichen Kanzeln und Altären zu 
ganze Bitte fassen sie zum Schluß in die, auf dem Titel 
verbannen. 
wiederholten Worte zusammen. 
Es bedarf keiner weitern Auseinandersetzung, daß das 
Unternehmen der Verfasser obiger Bittschrift, unter denen 
Göttingen, in der Expedition der allgemeinen juristischen Zeitung. 
(-Planck-Insti
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer