Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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derung haben sie seither stets abgelehnt und dagegen ver¬ 
hang der Strafgesetzgebung und Strafe mit dem Volke und 
sucht, theils eine, ihren Ansichten entsprechende Erklärungs¬ 
seinem innern Rechtsleben nachwiese, thäte im Criminal¬ 
weise der heiligen Schrift zur allgemein entscheidenden Norm 
Recht vor allen Noth, da jede Gesetzgebung und jede 
zu erheben und alle Anhänger der kirchlichen Auffassung mehr 
wissenschaftliche Arbeit, die nicht auf ihr ruht, mehr oder 
oder minder als Heuchler, Mystiker, Schwärmer, Pietisten, 
minder verfehlt zu nennen ist. Was die seitherigen philoso¬ 
zu bezeichnen, die schon als solche keine entscheidende Stimme 
phischen StrafrechtsTheorien betrifft, so hat über sie noch 
in Kirchensachen in Anspruch nehmen dürften, theils die 
neuerdings ein eigner Anhänger dieses philosophischen Ver¬ 
ältern Bekenntnißschriften oder die symbolischen Bücher der 
fahrens den Stab gebrochen, Herr Dr. Hepp, in seiner 
Kirche als für unsere Zeit nicht mehr verbindlich darzustellen. 
kritischen Darstellung der StrafrechtsTheorien (Heidelberg, 
Einige unter ihnen haben sich gegen die befürchteten Ansprüche 
1829); indem er S. 125 behauptet, „daß nach den bishe¬ 
auch dadurch zu retten gesucht, daß sie den Namen der 
rigen Untersuchungen keine der seither aufgestellten Theorien 
Rationalisten verläugneten und den Mantel rationeller oder 
des Strafrechts, so sehr sie sich auch für unmittelbare Aus¬ 
humaner Supernaturalisten umhingen, oder wohl gar ihre 
sprüche der Vernunft ausgeben, vor dem Richterstuhl oder 
Schüler verpflichteten, die in ihren Vorlesungen gewonnenen 
der Kritik der Vernunft besteht, vielmehr jede ihre Wider¬ 
sg. rationellen Ueberzeugungen auf der Kanzel und vor dem 
legung in eben der Vernunft finde, worauf sie gegründet 
Altare zu verläugnen, indem sie hier dem Staate, nach den 
seyn solle." — In seinem rathlosen Zustande weiß der Ver¬ 
von diesem einmal aufgestellten Normen, dienen müßten 
fasser den Gerichten nur die größte Milde anzuempfehlen. 
nicht beachtend, daß sie damit selbst zur entsetzlichsten Lüge 
Man sieht, daß wir auch im Strafrecht, nachdem fast alle 
und Heuchelei Anweisung ertheilten. 
Wege des Irrthums durchirrt sind, am Vorabende des Ta¬ 
Dagegen tritt in vorliegender kleinen Schrift eine Anzahl 
ges stehen, an dem endlich auch hier das helle Licht der 
rationalistisch gesinnter, redlicher Männer mit der Anforde¬ 
Wahrheit siegend durchbrechen wird! 
rung an alle Gleichgesinnten auf, ihre religiöse und kirch¬ 
E. 
liche Stellung ernstlich in Erwägung zu ziehen, und nicht 
aus Feigheit, Bequemlichkeit oder Gewinnsucht länger in ei¬ 
ner Kirche zu verharren, der sie doch nicht mehr mit treuem 
Wänderungen im Gebiete der neusten juristi¬ 
Glauben zugethan seyen. „Was wir von Herzen wünschen 
schen Literatur. 
„müssen rufen sie aus," ist: „daß alle diejenigen, welche innerlich 
„mit der Kirche zerfallen sind, sich auch äußerlich scheiden! 
„Diesen Wunsch glauben wir vor Gott und der Welt ver¬ 
11. 
„antworten zu können." „Trug und Falschheit können nimme 
Entwurf einer Bittschrift an Deutsche Fürsten. 
„gedeihen; jeder falsche Schein, den man erheuchelt oder 
„auch, ohne zu handeln, wissentlich von sich gelten läßt, 
„ist eine böse That!" — Sie erwarten, daß die sie leiten¬ 
„Allerhöchstdieselben wollen Allergnädigst geruhen, die 
„religiös-politischen Verhältnisse einer Anzahl Ihrer Unter¬ 
de Ueberzeugung von ihrer Pflicht, ihnen auch bei denen Ach¬ 
„thanen in Erwägung zu ziehen, und geeignete Maaßregeln 
tung verschaffen wird, welche ein Ausscheiden aus der 
„zu treffen, welche es denselben möglich machen, ihrer re¬ 
Kirche, ihres Kirchenglaubens wegen, mißbilligen; so wie 
„ligiösen Ueberzeugung gemäß zu leben." Kiel, in Com¬ 
sie wiederum diesen ihre Achtung nicht versagen. „Wer mit 
mission der UniversitätsBuchhandlung. 1830. 23 S. 
„treuem Glauben der Kirche zugethan ist," heißt es bei ih 
Ueber die Stellung der Rationalisten zur Christlichen 
nen, „wer sie für die einzige Pforte zum Himmel hält 
Kirche ist besonders in den neusten Zeiten viel gesprochen und 
„wie sollten wir dem verdenken, wenn er alles, was dieser 
gestritten worden. Man hat gezeigt wie sie mit den Grund¬ 
„sey es auch nur scheinbar, Gefahr droht, bekämpft? thut 
begriffen aller, aufs Evangelium gegründeten Kirchen im 
„er dieß anders nur mit solchen Waffen, womit sich ein 
Widerspruche stünden und daraus von Seiten ihrer Gegner 
„Kampf um Wahrheit ausfechten läßt, mit geistigen. 
mitunter auch die Anforderung abgeleitet, daß sie aus der 
Uebrigens wollen sie das, was schon früher gesagt worden 
bestehenden Kirche heraustreten möchten. Allein diese Anfor¬ 
ist, nur in bestimmter Beziehung aufs Handeln aus¬ 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für
	        
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