Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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IV. Facultät zu Dijon: Proudhon, Doyen; Ladey für 
Da es hiebei besonders um die genaue Kenntniß der dißfälligen 
Römisches Recht; 3 andere Professoren; 2 Suppleanten. 
religiösen Begriffe der Juden zu thun war, so hat sich das Kgl. 
Justizministerium veranlaßt gesehen, durch Vermittlung des Kgl. 
V. Facultät zu Grenoble: Gautier, Doyen; Burdet 
Ministeriums des Innern, über gedachte Frage, das Gutachten der 
für Röm. R.; 4 Proffessoren für innländische Rechte; 2. Supple¬ 
evangelischen Facultät in Tübingen einzuholen. 
anten. 
Letztere hat nun ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß die Ei¬ 
VI. Facultät in Poitiers: Gennot, Doyen; eine Stelle 
desabnahme in der Synagoge, nach den herrschenden Ansichten 
für Röm. Recht; 4 sonstige Professoren; 2 Suppleanten. 
der Jüdischen Glaubensgenossen, im Allgemeinen zwar als ange¬ 
VII. Facultät zu Rennes: Aubrée, Doyen; Lesbeau¬ 
messen erscheine, aber als nothwendig nicht zu betrachten sey, be¬ 
pin für Röm. Recht; 3 Proffessoren für Französ. Recht; 2 Supple¬ 
sonders wenn die Eidesableistung an ungeweihten Orten mit ent¬ 
anten. 
sprechenden Feierlichkeiten vor sich gehe. 
VIII. Facultät zu Strasburg: Arnold, Doyen und für 
Nach Vernehmung dieser Aeußerung, hat nun das Kgl. Justiz¬ 
Römisches Recht; 4 Professoren für einheimisches R.; 2 Supple¬ 
ministerium, vermöge Erlasses vom 8. July folgende Verfügung 
anten. 
getroffen: 
IX. Facultät zu Toulouse: Bastoulh, Doyen; Ruffat, 
1. Bei denjenigen Oberamtsgerichten, an deren Sitze eine Sy¬ 
Jlotte für Römisches Recht; 4 Professoren für Französ. Recht; 
nagoge oder ein zum Jüdischen Gottesdienste bestimmtes Bethaus 
4 Suppleanten. 
sich befindet, soll die Beeidigung Jüdischer Glaubensgenossen immer 
Somit beschäftigen sich in Frankreich 84 Personen mit einem 
in diesen Orten vorgenommen werden. Gleiches ist 
Fache, dem in Deutschland gewiß über 200 in diesem Augenblick ihre 
2. auch dann zu beobachten, wenn zwar ein Jüdisches Gottes¬ 
Kräfte widmen. 
haus in der Oberamtsgerichtsstadt nicht vorhanden, gleichwohl aber 
Für Kirchenrecht ist im ganzen Reich kein Lehrstuhl; was 
die Eidesabnahme in solchem von der einen oder beiden Partheyen 
die Hülfswissenschaften betrifft, welche wir Deutschen Juri¬ 
verlangt wird; und der oder diejenige, welche das Begehren gestellt, 
sten zu erlernen pflegen, so findet sich Gelegenheit a. in Gre¬ 
zu Bezahlung der mit einer Reise nach dem nächsten Jüdischen Got¬ 
noble blos für Mathematik, Naturgeschichte und Physik b. in 
teshause verbundenen Kosten erbötig und vermögend sind. Tritt 
Caen, Dijon, Strasburg und Toulouse außerdem auch 
für Philosophie, Französische, Lateinische und Griechische Literatur, 
3. letztgedachte Voraussetzung nicht ein, so ist die Beidigung 
so wie Geschichte; c. in Paris und Strasburg außer obigen 
in der Gerichtsstube durch einen Rabbiner vorzunehmen, und hiebey 
Zweigen auch für Legalmedicin; nirgends hingegen für Naturrecht 
dem Schwörenden ausdrücklich vorzustellen, wie nach der Lehre der 
und Staatswirthschaft. 
Jüdischen heiligen Schriften, die Gegenwart Gottes an jedem 
Orte gleich wirksam, und daher ein außerhalb des ihm beson¬ 
ders geweiheten Hauses geleisteter Eid, für eben so heilig und un¬ 
verbrüchlich, als ein in der Synagoge abgeschworener, zu halten sey. 
CorrespondenzNachrichten. 
4. Die Gegenwart eines Rabbiners ist bey einem Judeneide 
Heilbronn. Unter Beziehung auf die in Nr. 31. und 32. 
unerläßlich, wenn jedoch in vorkommenden Fällen ein Rabbiner in 
des gegenwärtigen Jahrgangs der allgem. jukistischen Zeitung ent¬ 
der Nähe des betreffenden Gerichts nicht wohnt, und die Kosten 
haltene Abhandlung über die wesentlichen Erfordernisse 
seiner Berufung können von den streitenden Theilen nicht aufgebracht 
des JudenEides, glaube ich Ihnen einen Dienst zu erweisen, 
werden, so ist wegen Abnahme des Eides ein Oberamtsgericht zu 
wenn ich Sie von einem über denselben Gegenstand von Seiten 
requiriren, in dessen Bezirke ein Rabbiner ansässig ist. 
unseres Gerichtshofs für den Nekar-Kreis zu Eßlingen an die 
Vorstehende Verfügung wird nun den Untergerichten des Ne¬ 
Untergerichte unterm 19. July 1826 ergangenen CircularErlasse 
karkreises zu ihrer Nachachtung mit dem Befehle hiemit bekannt 
in Kenntniß setze. Es ist derselbe folgender: 
gemacht, den in ihren Bezirken befindlichen Rechtsanwälten Notiz 
„In einem kürzlich vorgelegenen Rechtsstreite ist die Frage in 
davon mitzutheilen. 
Anregung gekommen, ob ein von einem Bekenner des Mosaischen 
Glaubens bey Rechtsverhandlungen abzulegender Eid, nothwendig 
in der Synagoge abgenommen werden müsse? 
Göttingen, in der Expedition der allgemeinen juristischen Zeitung. 
Seastsh 
Max-Planck-Institut für
	        
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