Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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zuwider sey. So erkennt Europa an dieser Streitfrage, wieweit 
in der Politik aber kann behaupten, daß Dom Pedro durch seine 
Entsagung den Rechten seiner Kinder Eintrag that. Das Princip 
die Extreme, eben weil sie dieses sind, in ihr anderes Extrem um 
der Legitimität wäre gänzlich verletzt, wenn nicht immer der nächste 
schlagen, und die Wahrheit nur in der Mitte liegt. 
Erbe nach dem Entsagenden damit unmittelbar und an und für 
Unser Verfasser druckt das Manifest der Cortes von Lissabon 
sich an seine Stelle träte. Niemand darf weder zu Gunsten, noch 
ab, und sucht es Schritt vor Schritt zu widerlegen. Der Haupt¬ 
zum Nachtheil eines Dritten entsagen. Kein Beschluß von Stän¬ 
angriff gegen Dom Pedro's Rechte ist immer der, daß er durch die 
den darf an dieses Heiligthum rühren. Das Entsagen gilt dem 
Annahme der Krone Brasilien's, als eines fremden Reichs, die 
Tode gleich. Und selbst, wenn nach der Behauptung der Cortes 
Ansprüche auf die Krone Portugals verloren habe. Erstens ist 
von Lissabon Dom Pedro schon bei Lebzeiten seit der Unabhängig 
aber Brasilien kein fremdes Reich, sondern ein Schwesterland Por¬ 
keit Brasilien's den Portugiesischen Thron verwirkte; so war er als 
tugal's, und Portugiesischen Ursprungs. Und ferner müssen di 
tod zu betrachten beim Absterben seines Vaters; und hätten nicht auch 
Cortes von Lissabon seber eingestehen, daß mehrere Beispiele in 
in diesem Falle seine Erben ihrem Oheim vorgezogen werden müssen? 
der Portugiesischen Geschichte vorkommen, wo Kronprinzen, welch 
Miscelle. 
Ueber die anerkannten Verdienste unserer heutigen 
auswärtige Kronen annehmen, dennoch succedirten. Auch scheint 
gelehrten Civilisten und die Wiederdelebung des 
das Argument, daß beide Reiche getrennt seyn mußten, Dom Pe¬ 
„Interesse für Rom und Römische Literatur. 
dro nicht auszuschließen. Denn die Reiche könnten getrennt seyn, 
Ein Recensent von Bähr's Geschichte der Römischen Literatur 
und ganz verschiedene Verwaltungen haben, die Krone aber dennoch 
(Carlsruhe, 1828, in den Blättern für literärische Unterhaltung 
Nr 294. v. J.) gedenkt unserer heutigen classischen Civilisten auf 
auf einem Haupte vereinigt seyn, wie Schweden und Norwegen 
eine so rühmliche und ausgezeichnete Weise, daß wir uns das Ver¬ 
Hannover und England u. s. w. Indessen die Ansicht und Mei 
gnügen nicht versagen können, seine Worte hier zu wiederholen. Was 
nung des Tractats, wodurch Dom Juan VI. Brasilien als unabhän¬ 
ein partheyloser Dritter, der nicht zur Zunft gehört, von dieser 
aussagt, kann für sie nur belehrend und ermunternd seyn! „Das 
gig anerkannte, ist doch wohl die, daß beide Reiche auch einen 
Studium der Griechischen Sprache, das in den Deutschen Lehr¬ 
besondern Regenten haben sollen, und daß Dom Pedro optiren 
sälen geistreicher und gründlicher, als in den Schulen irgend eine 
Europäischen Landes betrieben wird, und das unter uns nebenbe 
müsse. Indem er nun für Brasilien optirte, und der Krone Por 
weiter verbreitet ist, als in jedem andern Lande der Erde, hatt 
tugal's entsagte; so durfte er freilich weder bestimmen, wer ihm 
unter den classisch gebildeten Leuten der letzten Decennien für die 
succediren sollte, noch irgend etwas anderes über Portugal ver 
Römische Sprache und Literatur eine ungünstige Stimmung her 
beigeführt. Bald maaß man die Römische Literatur gegen die Grie¬ 
hängen. Sollte aber demnach nun auch klar seyn, daß das Oc¬ 
chische nach ihrer Ausdehnung ab, bald nach ihrem ästhetischen und for¬ 
troyiren der Charte — (wenn er es nicht bloß als Vormund 
mellen Gehalte, und immer war die Vergleichung zum Nachthei 
und im Namen des legitimen Erben Portugal's that), — ein über 
der Römer. Auch die Werke, welche das einstimmige Zeugniß 
vieler Jahrhunderte als die schönsten Blüthen des menschlichen Gei 
eilter Schritt war; so folgt daraus noch nicht, daß Dom Miquel 
stes sonst geehrt hatte, gewöhnte man sich nun, als minder bedeu¬ 
legitimer König sey. Das Recht allein hat über die Successior 
tend oder gar als geringfügig neben dem Verdienste der Griechen 
zu entscheiden. Und hier widerlegt unser Verfasser die Stelle aus 
anzusehen, ging soweit, den Ruhm selbstständigen Schaffens ihnen 
überall zu bestreiten, und das Heer der Nachsprecher setzte einen 
der Schrift der Cortes, wo das Recht Dom Miguek's aus dem 
Ruhm darein, diese Nichtachtung des Römischen geflissentlich unter 
Grundsatze des Portugiesischen Staatsrechtes erhärtet wird, daß 
die Leute zu bringen. Daß das jetzt anders ist, ver¬ 
dankt man zunächst den classischen oder humanistischen 
wenn ein König von Portugal zwei Kronen auf seinem Haupt 
Deutschen Juristen, durch deren Scharfsinn alle die uner¬ 
vereinigt, die getrennt werden sollen, der älteste Sohn die größere 
meßlich folgereichen Forschungen über Rom's Geschichte herbeigeführ 
der jüngere die kleinere erhalten müsse. Dom Juan VI. hat näm 
worden sind, die wiederum den Ansichten von allen antiken Ver¬ 
hältnissen einen vorher nie geahneten Umschwung gegeben haben. 
lich, sagt unser Verfasser, nie die Krone Brasilien's besessen, son¬ 
Durch das Verdienst dieser Juristen ist Rom's Selbstständigkeit 
dern er hat Brasilien nur als Portugiesische Colonie beherrsch 
gleichsam wieder gerettet worden, und auch die blödesten Augen 
Der erste Portugiesische König, der beide Kronen vereinigte, ist 
können sich jetzt vor dem strahlenden Glanze der Römischen Litera¬ 
tur nicht verschließen, die man absichtlich lange Zeit verkennen 
Dom Pedro. Sein nächster Erbe (das ist sein Sohn, denn, ob¬ 
wollte. Alle Werke aus Rom's bester Perjode sind nämlich durch¬ 
gleich jünger, geht er doch, als in derselben Linie, seiner ältern 
wärmt von dem Begriffe der Majestät seines Staates, 
überall leuchtet wie eine schimmernde Folie der Gedanke an seine 
Schwester vor) erhält also die größere Krone, Brasilien. Der 
Weltherrschaft durch, und ein Gefühl des Vaterlandes, wie es den 
zweite, (das ist seine Tochter, Donna Maria) Portugal. Und in 
Griechen auch der besten Zeit in diesem Grade fremd blieb, gibt der 
der That, wenn wir fragen, wer der nächste Erbe Dom Juan's VI. 
Römischen Literatur eine Würde, der Griechenland kaum etwas 
an die Seite zu stellen hat. Denn selbst in den Zeiten des Ver¬ 
nach dem Ausfall Dom Pedro's gewesen wäre; so lautet die Ant 
falls macht dieser Nachklang der Römischen Hoheit sich noch bemerk¬ 
wort: nicht Dom Miguel, sondern Dom Pedro's Kinder. Denn 
lich. Was zu sehr Aller Herzen erfüllt hatte, was die Lebensluft 
die ältere Linie schließt unbedingt die jüngere aus, und nach Por¬ 
alles Römischen Wohlseyns gewesen war, konnte nicht so auf ein¬ 
mal mit der Abänderung der äußern Verhältnisse verdampfen. - 
tugiesischem Rechte schließen sogar die Frauen der älteren Linie die 
Doch daß die Römische Literatur auch durch ihre inwohnende Kraft 
Männer der jüngeren Linie aus. Auch trifft es sich, sagt unse 
durch ihr frisches Leben unsere Aufmerksamkeit neben der Griechi¬ 
Verfasser, daß Donna Maria geboren wurde, als Brasilien noch 
schen in beinahe gleichem Maaße verdient, das haben seitdem geist¬ 
reiche und gelehrte Leute laut wieder auszusprechen gewagt, 
eine Portugiesische Colonie war; so daß nicht der leiseste Zweifel 
und nichts wird besser dazu beitragen, diese Ansicht fester zu be¬ 
gegen ihr Indigenat erhoben werden könnte. Nur ein Neuling 
gründen, als das Werk, das zu dieser Bemerkung den Anlaß gab. 
Göttingen, in der Expedition der allgemeinen juristischen Zeitung. 
Max-Planck-Institut für
	        
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