Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

derweit darüber disponire, alle Ansprüche auf Entschädigung 
verliere. — In dem von ihm angeführten Rechtsfalle hatte 
eine Juristenfacultät ihr reformatorisches Erkenntniß auf den 
vorgeschützten Handelsgebrauch gestützt. Vor Allem erklärte 
aber die in letzter Instanz sprechende Göttinger Juristen¬ 
facultät in ihren ausführlicher von von Berg mitgetheil¬ 
ten Gründen wörtlich sich dahin: „daß derjenige, welcher 
„eine Waare empfängt und darüber ohne einige Protestation 
„oder sonstige zweckmäßige Erklärung und Vorsicht zur 
„Wahrnehmung seiner Rechte disponirt, freilich nach Han¬ 
„delsgebrauch alle Ansprüche auf Entschädi¬ 
„gung wegen angeblicher geringerer Qualität 
„der Waare verliere, wie denn auch in diesem 
„Falle jener Handelsgebrauch allerdings für 
„sich sehr vernünftig und zweckmäßig zu ach¬ 
„ten sey. — 3. Cropp a. a. O. erkennt ebenfalls den in 
Frage stehenden Grundsatz als ein nicht selten von Kaufleu¬ 
ten aufgestelltes Princip an. — 4. Die Darstellung von 
Meno Pöhls a. a. O. dient ebenfalls zur Beurkundung 
des Handelsgebrauchs, da seine ganze Schrift vorzüglich 
auf diesen gestützt ist. Auch beziehen er und Cropp sich 
auf dasjenige, was in Büsch und Ebeling's Handlungs¬ 
Bibliothek B. 1. S. 266. über diesen und einen ähnlichen 
Handelsgebrauch anerkennend gesagt worden ist. Demnach 
darf ein gemeiner Deutscher Handelsgebrauch fast als schon 
erwiesen angenommen werden, so daß zum Mindesten eine 
particuläre Nachweisung eines solchen Handelsgebrauches da¬ 
durch eine feste Grundlage und sehr bedeutende Unterstützung 
gewinnt. 
C. Darüber, daß auch in Mecklenburg jener gemeine 
Deutsche Handelsgebrauch in täglicher Uebung ist und in 
unserer einheimischen Handelswelt vollkommen anerkannt 
wird, gibt folgendes Gutachten der Directoren und 
Deputirten der KaufmannsCompagnie in Ro¬ 
stock, der ersten Mecklenburgischen See- und Handelsstadt, 
ein vollständiges Zeugniß; „Ew. haben unterm 25. dieses 
unsere schriftliche Antwort über folgende Frage verlangt: 
Wenn eine Waare zu einer bestimmten Bonité erhandelt 
ist, und der Käufer sie nicht blos durch seine Fuhrleute vom 
Verkäufer hat abholen lassen, sondern sie auch von seinem 
Wohnorte aus weiter verladen hat, und zwar ohne alle 
Nonitur und Erinnerungen gegen die Güte derselben, kann er 
alsdann nach gemeinem und Mecklenburgischen Handelsge¬ 
brauch späterhin noch Monita gegen die Bonité der Waare 
erheben, und diese selbst am 3ten Orte dem Verkäufer zur 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
191 
Disposition stellen; — oder besteht vielmehr eine anerkannte 
kaufmännische Usance auch hier zu Lande, wornach ihm ein 
solches Verfahren nicht gestattet ist, sondern ihm obliegt 
seine etwanigen Erinnerungen wenigstens vor der weitern Ver¬ 
ladung und Versendung der Waare von seinem Wohnorte aus 
an die Verkäufer gelangen zu lassen? - 
Zur Erfüllung Ihres Wunsches haben wir diese Frage 
mit mehreren der erfahrensten Mitglieder unserer Kaufmanns¬ 
Compagnie besprochen, und deren Erklärung geht da¬ 
hin, daß: 1. der auswärtige Käufer einer Waare, welche 
ihm von dem Verkäufer vor der Absendung nicht zugewogen, 
noch zugemessen, folglich nicht zur Besichtigung vorgelegt 
worden, befugt ist, gegen die Güte dieser Waaren Erinne¬ 
rungen zu machen, wenn er solche in seinen Verwahrsam 
bekömmt; daß er aber: 2. schuldig ist, die Waare bei 
dem Empfang, nach geschehener Abholung derselben, sofort 
nachzusehen und, wenn er Erinnerungen dagegen machen 
will, seinen Verkäufer hiemit ungesäumt bekannt zu machen, 
so daß: 3. wenn er dies unterläßt, und noch mehr, wenn 
er über die Waare weiter verfügt, solche mithin, wie in 
dem vorliegenden Falle geschehen, nach einem andern Ort 
weiter verschickt, er dadurch auf seine sonstige MoniturBe¬ 
fugniß stillschweigend Verzicht leistet, weil er jene Verfügung 
und anderweitige Versendung der Waare nicht vornehmen 
könne, ohne die Waare als gut und richtig anzuerkennen. 
Jene Mitglieder unserer Compagnie versichern hiebei, daß 
diese Grundsätze im kaufmännischen Handelsverkehr sowohl 
in Mecklenburg, als auch in den benachbarten Ländern, 
ihres Wissens, befolgt würden, daß sie aber nicht behaup¬ 
ten könnten, daß grade ein bestimmtes Gewohnheitsrecht 
darüber vorhanden sey, in so fern man Letzteres von einer 
kaufmännischen Usance sollte unterscheiden wollen. —- 
Wir 
verfehlen nicht, Ihnen Obiges zu erwidern, haben unsern 
unterschriebenen Consulenten ersucht, Sie hiemit bekannt zu 
machen. u. s. w. 
Directores und Deputirte der KaufmannsCompagnie. 
Rostock 29. Jan. 1830. 
D. P. C. Brandenburg, Dr. 
1. Der ganze Inhalt dieses Gutachtens stimmt durchge¬ 
hends mit dem überein, was oben theils als gemeinrechtli¬ 
cher Grundsatz, theils als gemeiner Handelsgebrauch nach¬ 
gewiesen und angedeutet worden ist. 2. Die Versicherung, 
daß diese Grundsätze im Handelsverkehr als kaufmännische 
Usance angesehen würden, genügt, da man von Kauf¬ 
leuten nicht verlangen kann, daß sie einen etwaigen Unter¬
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer