Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

auch eine feste wissenschaftliche Grundlage und 
wissenschaftliches Interesse, wie sie Hagemann hatte 
wie sie jedoch von vielen nicht nur unserer angehenden, 
sondern auch unserer ältern, sich oft sehr weise und 
ächt praktisch gesinnt dünkenden Juristen vornehm und 
thöricht genug verachtet wird. Was Hagemann, der 
ausgezeichnete Praktiker, theoretisch nämentlich für die 
Wissenschaft des Deutschen PrivatRechts geleistet hat, 
das kann u. a. auch aus den von seinem Biographen 
angeführten brieflichen Aeußerungen unserer beiden er¬ 
sten Germanisten, Eichhorn und Mittermaier 
erkannt werden; indem Ersterer gesteht, daß Hage¬ 
mann's Schriften auf sein Lehrbuch des Deutschen P 
vat Rechts einen so vielfachen Einfluß gehabt hätten, 
daß er es bei vielen RechtsInstituten zunächst auf jene 
gegründet pennen dürfe, und Letzterer bemerkt, daß fast 
keine Lehre sey, in welcher er nicht dankbar die vielfache 
Belehrung zu rühmen gehabt hätte, welche er seinen 
Schriften verdanke. 
Je erfreulicher nun eine solche Erscheinung, wie 
Hagemann, der Schriftsteller, dem Freunde Deutscher 
Rechtspflege und Rechtswissenschaft seyn muß, desto 
erhebender sind für ihn denn auch die Nachrichten, die 
diesen Mann zugleich als einen treuen und eifriger 
Richter und Justiz Beamten, als einen ächt patriotisa 
gesinnten Bürger, als einen glücklichen Hausvater dar¬ 
stellen. Ihm folgte die rühmliche Anerkennung seine 
Vorgesetzten, die Verehrung seiner Untergebnen, die 
dankbare Liebe seiner Mitbürger, der Segen seiner An¬ 
gehörigen, von denen mehrere Söhne als ausgezeich= 
nete Beamte des Hannövrischen Staates bekannt sind. 
Der vorliegende achte Band der Erörterungen 
dessen letzte Ausfeilung der Verf. nicht mehr besorgen 
konnte, und dessen Herausgabe der auch als Herausgeben 
von Strube um die Literatur der Hannövrischen 
Praris so ausgezeichnet verdiente Hr. O.A.R. Span¬ 
genberg besorgt hat, reiht sich in seiner Form un 
der Mannigfaltigkeit seines Inhaltes durchaus an die 
frühern Bände an. Eine sehr dankenswerkhe Zugabe 
bilden die Statuta Stadensia v. J. 1279, und ein Re- 
ceß von 1694 über des Senats zu Dannenberg Ge¬ 
richtsbarkeit in civilibus. — Noch ist zu bemerken 
daß der Herausgeber nach dem seiner Ausgabe der 
Strubeschen Bedenken zum Grunde gelegten System 
am Schlusse eine systematische Uebersicht sämmtlicher 
in den bisherigen acht Bänden enthaltenen Erörterun¬ 
stsblblocthek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlir 
gen geliefert hat, wodurch das Hagemannsche Werk mit 
dem Strubeschen in Verbindung gesetzt und seine Be¬ 
nutzung sehr erleichtert worden ist. — Hoffentlich wird 
der Herausgeber auch der Nachfolger Hagemann's, Stru¬ 
be's und Pufendorf's werden, und seine in der Justiz¬ 
canzley, sowie im OberAppellationsGerichte zu Celle 
gemachten Erfahrungen gesammelt und in wissenschaft¬ 
licher Bearbeitung herausgeben, und so die Lücke ersetzen, 
die durch Hagemann's Abscheiden sonst in der Literatur 
der Hannövrischen Praxis, ungeachtet der verdienstlichen 
juristischen Zeitung für das Königreich Hannover von 
Schlüter und Wallis, doch immer entstehen würde. 
Correspondenz= und Zeitungsnachrichten. 
London, v. Dec. v. J. Der Umstand, daß die Werke des berühm¬ 
ten Schottischen Rechtsgelehrten Jeremias Bentham ins Franzö¬ 
sische (von Dümont) übersetzt worden sind, gibt der Times zu fol¬ 
genden Bemerkungen Anlaß: „Der mit Recht berühmte Professor 
Porson sagte einmal von den Werken Gibbon's, sie würden ganz 
vortrefflich seyn, wenn sie ins Englische übersetzt wären. Der große 
Geschichtschreiber soll, als er es hörte, über das Witzwort recht herz¬ 
lich gelacht haben. Wenn dieß jedoch von Edward Gibbon gesagt 
wurde, was soll erst von dem weit unter ihm stehenden, unendlich 
mehr verschränkten und Unenglischen Schriftsteller Jeremias Bent¬ 
ham gesagt werden? Weder ein Mensch, noch ein Schwein, noch 
ein Hund hat je solche Töne von sich gegeben, solche Ausdrücke ge¬ 
braucht und so die behandelten Dinge von ihrem natürlichen Stand¬ 
punkte entfernt, wie der arme Jeremias in seinen Schriften. Der 
sehr achtbare Herr Dümont, der die Werke des Schottischen Gelehr¬ 
ten ins Französische übersetzte, hat manchem Engländer dadurch ei 
nen großen Dienst erwiesen, denn durch diesen Canal und durch eine 
Rückübersetzung ins Englische dürften sie vielleicht auch von gewöhn¬ 
lichen Lesern verstanden werden, wenn nämlich wirklich etwas darin 
ist, was der Mühe des Verstandenwerdens sich lohnt, eine Sache, 
die vielen Leuten mindestens sehr zweifelhaft ist". 
— In der Times liest man: „Die vielberegte Frage über die 
Ernennung der Römischcatholischen Bischöfe ist endlich entschieden 
worden, und zwar durch zwei Rescripte, welche die catholischen 
Bischöfe in Irland über das künftige Verfahren in solchen Fällen 
erhalten haben. Bei einer eintretenden Vacanz wird, dieser Be¬ 
stimmung zufolge, von der Geistlichkeit des Sprengels sogleich ein 
Priester erwählt, der während der Erledigung, als Capitularvicar 
mit den amtlichen Verrichtungen des bischöflichen Stuhles beauf¬ 
tragt wird. Nächstdem findet eine Versammlung vom Decan und 
Capitel — wo nämlich diese Einrichtungen bestehen — gemein¬ 
schaftlich mit sämmtlichen Priestern des Sprengels Statt, und hier 
wird ein Nachfolger erwählt. In dieser Versammlung präsidirt 
ein Bischof oder Erzbischof. Wo Decan und Capitel nicht beste¬
	        
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