Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

Dr. Theodor Hagemann's praktische Erörterun¬ 
gen aus allen Theilen der Rechtsgelehrsamkeit, hin 
und wieder mit Urtheilssprüchen des Celleschen Tri¬ 
bunals und der übrigen JustizHöfe bestärkt. Achter 
Band. Aus dem Nachlasse des Verewigten heraus¬ 
gegeben, fortgesetzt und mit einer Biographie desselben 
begleitet von Ernst Spangenberg (Dr. b. R. 
Kgl. Gr. H. Ober A.Rath, der Frankfurter Gesellschaft 
für Deutschlands ältere Geschichtskunde, und des 
Münster=Paderbornschen Vereins für Geschichte und 
Alterthumskunde Westphalens correspond. und Ehren¬ 
mitgliede, der Gesellschaft pro excolendo jure patrio 
zu Gröningen auswärtigem Mitgliede). Mit dem 
Bildniß Hagemann's. Hannover, 1829. In der 
Hahnschen Hofbuchhandlung. 
Johann Wilhelm Theodor Hagemann ward zu 
Stiege im Fürstenthum Blankenburg im J. 1761 ge= 
boren, hielt auf Pütter's Antrieb in Göttingen von Östern 
1785 an als Privatdocent Vorlesungen über juristische 
Encyclopädie und Lehnrecht, ging auf Pütter's Em¬ 
pfehlung schon Ostern 1786 als außerordentlicher Pro¬ 
fessor nach Helmstedt, und kam ebenfalls auf Pütter's 
Empfehlung, Ostern 1788, als Hof= und Canzley Rath 
an der Justizcanzley in Celle in die Hannövrischen 
Dienste, in denen er, ungeachtet verschiedener ehren¬ 
voller Vocationen, wie im December 1817 zur Präsi¬ 
denten Stelle des neuzuerrichtenden O.A.Gerichtes der 
freien Städte in Lübeck, bis zu seinem Tode treu ver¬ 
harrte, und zwar vom J. 1799 an als OberAppella= 
tionsRath des Tribunals in Celle, und vom J. 1819 
an bis zu seinem am 14. Mai 1827 erfolgten Ableben 
als Director der Justizcanzley in Celle. Während der 
Westphälischen Occupation diente er als Procureur 
général bei dem neuen AppellationsHofe in Celle der 
Justiz Sache des Landes. — Werfen wir einen Blick 
auf die praktische und literärische Thätigkeit dieses von 
Allen, die ihn kannten, auch persönlich hochverehrten 
ausgezeichneten Rechtsgelehrten; so sehen wir in ihm 
zeinen Mann, dem, wie so vielen anderen, Pütter zu seiner 
ganfänglichen theoretischen und spätern praktischen Lauf¬ 
bahn verhalf, der aber auch als ächter Schüler Pütter's 
diessen Sinn und Liebe fürs Deutsche Recht und alle 
seine mannigfaltigen und eigenthümlichen Erscheinungen 
bewahrte und ins Leben übertrug. Die frühere, wenn 
auch nur kurze academische Laufbahn Hagemann's trug 
Max-Planck-Insti 
gewiß viel dazu bei, diesen ächt wissenschaftlichen Sinn 
in ihm auszubilden und zu befestigen, sowie sie unstrei¬ 
tig auch die Hauptveranlassung ward, daß er in sei¬ 
nem folgenden praktischen Leben nicht nur seine frü¬ 
hern lehnrechtlichen Arbeiten fortsetzte und über einzelne, 
als praktisch wichtig erkannte Lehren ausführlichere 
wissenschaftliche Arbeiten lieferte, wie namentlich über 
das Landwirthschaftsrecht, Meierrecht und Cellisches 
Stadtrecht, sondern daß er auch nach allen Sei= 
ten einer reichen praktischen Thätigkeit hin seine wissen¬ 
schaftliche Auffassung und Bearbeitung richtete, und zu¬ 
gleich auf öffentliche Mittheilung seiner praktischen Er¬ 
örterungen bedacht war, und zwar theils und besonders 
in der Anfangs in Gemeinschaft mit seinem Freunde, 
dem bald nach ihm im September 18.7 zu Potsdam 
verstorbenen A. F. W. von Bülow, herausgegebenen 
besondern Sammlung, theils auch in verschiedenen an¬ 
dern ältern und neuern Zeitschriften und Sammlungen, 
unter denen besonders das von ihm und dem jetzigen 
Geh. Ober TribunalRath Christ. Aug. Günther in 
Berlin, von 1788 bis 1792 in sechs Bänden heraus¬ 
gegebene Archiv für theoretische und praktische 
Rechtsgelehrsamkeit zu nennen ist. — Wie viel 
Hagemann besonders auch durch Bezugnahme auf 
die Rechtssprüche der Obergerichte auf die festere Be¬ 
gründung und Fortbildung der Hannövrischen Praxis 
gewirkt, und überhaupt das von Pufendorf und 
Strube angefangene Werk rühmlich fortgesetzt hat, 
ist bekannt; wenn auch wohl nicht in Abrede zu stellen 
ist, daß er Gerichten und Anwälten oft zum bequemen 
Ruhekissen gedient hat, und daraus nicht selten eine 
zu übertriebene Auctorität hervorgegangen ist. Jedoch 
werden solche Uebelstände sich bald ausgleichen, sobald 
der durch ihn in den Hannövrischen Gerichten sosehr 
angeregte Sinn einer freien wissenschaftlichen, aber 
auch besonnenen rechtlichen Prüfung aller rechtlichen 
Vorkommenheiten nur erhalten und weiter ausgebildet 
wird. — Für die allgemeine Deutsche Rechtswissen¬ 
schaft wäre es aber gar sehr zu wünschen, wenn jedes 
Deutsche Land viele solcher Männer, wie Hagemann, 
unter seinen praktischen Juristen zählen könnte, die 
den Reichthum und die Fälle des Rechtslebens nicht 
nur wissenschaftlich zu beherrschen verständen, sondern 
auch ihre Erfahrungen und Beobachtungen über einzelne 
eigenthümliche RechtsInstitute und besondere Rechts¬ 
fragen öffentlich mittheilten. Dazu gehört aber freilich
	        
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