Full text: Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechts-Pflege (Bd. 3 = H. 5/6 (1829))

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Nieder trampelken mir ein Beet die Guten: 
Also straften sie mich für meinen Frevel, 
Den ich selber bereits erkannt" und büßte! 
Denn mein Herz ist geneigt zum Guten wahrlich 
Und besinnet sich rasch. Ich weinte herzhaft 
Bald, daß liebelos hart ich solches übte. 
Durch die Zeitungen jetzt ergeht mein Aufruf: 
O verzeihe mir gütigst, edler Spitzbub, 
Daß die Ohren ich Dir so derb gekniffen 
Und die Humanität der Zeit verschwitzet, 
Welch' in jeglichem Schelm erblickt den Bruder 
Guter, liegen gelassen hast Du flüchtend 
Hier den Uhrschlüssel; komm und hol' ihn gleichfalls, 
Denn ich möchte nicht gerne Kosten Dir noch 
Zu der Müh' und dem Schreck erwachsen sehen; 
Leider ist mir verhüllt dein Nam' und Wohnsitz, 
Sonst zu deiner Spelunke käm' ich selber. 
Durch die Zeitungen fordr' ich, Anonymer, 
Auf, Dich, hole zur Uhr nun auch den Schlüssel! 
Karl Immermann. 
Monomanie. 
Von der nämlichen Gesinnung, welche den Declamationen 
gegen die Todesstrafe zum Grunde liegt, geht auch die Theorie 
von der Monomanie aus; ihr kommt es überall nur darauf an, 
den Verbrecher als den Bedauernswerthen darzustellen, der nicht 
eigne Verschuldung trägt, sondern einem unabwendbaren Ver¬ 
hängnisse unterlegen, das ihn dem Richter als einer feindseligen 
Macht in die Hände gespielt und dem man vor allen Dingen 
das Leben retten, in Fällen, wo es sich aber auch nicht um den Ver¬ 
lust dieses höchsten Guts handelt, wenigstens doch eine möglichst ge¬ 
linde Strafe bereiten müsse. Dahin arbeiten Defensoren mit falschen 
Künsten *) in Frankreich, und die Aerzte unterstützen diese auf 
den succès brillant gerichteten Bemühungen nach besten Kräften. 
3) Niemand wird wohl glauben, daß der heilige Eiser des Ver¬ 
theidigers für seinen Schützling gemeint sey. 
Voage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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