Full text: Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechts-Pflege (Bd. 3 = H. 5/6 (1829))

142 
wärtig gewesen waren, und die Sache dem Königl. Gerichtshofe 
zu Aix zugewiesen. 
Der Angeklagte wurde völlig freigesprochen und sofort in 
Freiheit gesetzt. 
Jtalien. 
en. 
Kömische Criminal=Justiz. 4 
Einen Blick in das bis jetzt noch völlig unbekannte Römi¬ 
sche Crimmalverfahren giebt nachstehender Fall, der sich im Jahre 
1822 ereignete. 
Die verwittwete Caroline Turchetti, geborne Renazzi, lebte 
mit einer sechs bis sieben Jahre alten Tochter, Vittoria, in ziem¬ 
lich beschränkten Umständen zu Rom. Eine Pathin des Kindes, 
die verehelichte Angelica Crespi, nahm sich desselben sehr thätig 
an, so daß sie es nicht nur mit allem Nothwendigen versorgte, 
sondern auch den größten Theil des Jahres in ihrem Hause be¬ 
hielt. Ihr Mann, Achilles Crespi, war jedoch mit dieser auf 
das Kind gewandten Fürsorge unzufrieden, und brachte sie auch 
von dem gefaßten Vorsatze, dasselbe an Kindesstatt anzunehmen, 
wieder ab, wodurch er die Mutter der Kleinen zu Zorn und Ra¬ 
che reizte. 
In den ersten Tagen des Mai 1822 fandte die Mutter ihr 
Kind wie gewöhnlich in das Haus der Crespi, die es bis zum 
18. Juni bei sich behielt, dann aber, obwohl gegen dessen Wunsch, 
durch eine Magd, Maximilla Persi, zur Mutter zurückschickte. Die 
kleine Vittoria litt schon seit längerer Zeit an einem Ausflusse 
aus den Genitalien, was auch ihrer Mutter bekannt war. Als 
sie nun jetzt mit der Magd bei der Letztern ankam, fragte 
diese, als wisse sie nichts davon, die Persi nach der Ursache 
des überaus welken abgezehrten Ansehens und der eingesunkenen 
Augen ihrer Tochter, worauf die Magd erwiederte, jener Ausfluß 
habe sich dergestalt vermehrt, daß man dem Kinde täglich ein rei¬ 
nes Hemd anziehen müsse, und rühre, nach der Erklärung des zu¬ 
gezogenen Arztes, von einem kachectischen Zustande her. Die Mut= 
ter stellte sich hierüber noch mehr erstaunt und erklärte, sie wolle 
das Kind selbst heilen. Am nämlichen Abende führte sie es zu 
der Hebamme Veronesi, die das Kind in Gegenwart der Mutter un= 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer