Full text: Beyträge zur juristischen Biographie, oder genauere litterärische und critische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrten auch Staatsmänner, welche sich in Europa berühmt gemacht haben (Bd. 5, St. 2 (1779))

194 XVII. Wenz. Xav. Neum. v. Puchholtz. 
obachtete er mit dem augenscheinlichsten Beyfalle, und 
jedermann glaubte, keine Rechtsangelegenheit sey so ver¬ 
wirrt, kein Gegenstand im vaterländischen Staats= oder 
Lehnrechte so dunkel, daß Neumann nicht geschickt ge= 
schickt genug wäre, Alles auseinander zu wickeln, oder 
deutlich zu erklären. So sehr dieses Aufmerksamkeit er¬ 
regte, und ihm ein allgemeines Zutrauen zuwege brach¬ 
te: so angelegen lies es sich ein großer Theil seiner Lands= 
leute seyn, ihn zum Rechtsfreunde zu haben. Die gelei= 
steten Dienste wurden ihm gut bezahlt, und daher häus= 
ten sich seine Reichthümer, wovon er einige Landgüter 
kaufte. An Ehrenämtern und andern Vorzügen fehlte 
es ihm auch nicht. Außer dem Professorate auf der 
Prager hohen Schule, welche ihn zum beständigen De¬ 
chant der juristischen Facultät, und fünfmal zu ihrem 
Rector wählte, lagen ihm die Geschäfte eines Advocaten 
des Königreichs und des Königlichen Fiscus ob, wobey 
er zugleich Kayserlicher Rath war. Jm Jahre 1738 
befahl Carl der VI. ein neues Gesetzbuch für die Böhmi= 
schen Unterthanen abzufassen, in welcher Absicht Neu= 
mann unterschiedlichen erfahrnen Rechtsgelehrten zuge¬ 
ordnet wurde. Man wies ihm die Ausarbeitung von 
den Gerichtsstellen, den gerichtlichen Handlungen und 
Erbschaftssachen an, die er glücklich vollendete. Zu sei= 
nen übrigen Verdiensten gehöret noch dieses, daß er die 
Gehäude der Universität theils erweitern, theils erneuern 
lies, und den öffentlichen Lehrern eine Verbesserung ih¬ 
res Gehalts auswirkte. Das durch solche ruhmvolle 
Thaten erlangte Ansehen, und sein guter Name wuͤrde 
aber weit glaͤnzender und dauerhafter seyn, wenn er ge¬ 
wisse unanständige Zänkereyen mit dem Grafen von 
Spork, einem erhabenen Befoͤrderer der Wissenschaften, 
vermieden hätte. Die wahre Beschaffenheit derselben 
ist mir zur Zeit nicht bekannt; unterdessen vermuthe ich 
aus seinem Bildnisse, daß man ihn überhaupt wohl 
nicht 
Vorlage: 
Max-Planck-Instittut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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