Full text: Beyträge zur juristischen Biographie, oder genauere litterärische und critische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrten auch Staatsmänner, welche sich in Europa berühmt gemacht haben (Bd. 5, St. 2 (1779))

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XVIUI. Dieterich Reinking. 
versität zu Cölln weitere Schritte thun konnte. Seine 
Bemühungen bestanden in einem fortgesetzten Triebe zu 
den gelehrten Sprachen: außer diesen aber suchte er die 
Historie, die Philosophie, vorzüglich die Staatslehre, und 
die Rechte in ihrem ganzen Umfange kennen zu lernen, 
Allein eine Zeit von fünf viertel Jahren, wie wenig reich= 
te die zu, die abgezeichneten Fächer auszufüllen? Län= 
ger blieb er nicht zu Cölln; entweder wegen einer unwi= 
derstehlichen Reigung zu den Seinigen, die er in vielen 
Jahren nicht gesehen hatte; oder auch wohl aus Unzu= 
friedenheit mit dem Vortrage der damaligen Lehren. Dem 
sey nun wie ihm wolle, er trat über Lübeck die Rückreise 
nach seiner Heimath zu Wasser an. Der Vater behielt 
ihn zwar ungefähr ein Jahr bey sich, urtheilte jedoch ganz 
vernünftig, daß er noch mehr auf andern Deutschen Uni= 
versitäten gebildet werden müsse. Er gehorchte demsel. 
ben, und begab sich 1614 auf den Weg nach der Giesse= 
ner hohen Schule; je näher er aber kam, desto mehr 
schreckte ihn die Pest ab, welche an diesem Orte anfieng 
fürchterlich zu werden. Bey solchen Umständen brachte 
Reinking den Winter in Marburg zu. Unterdessen 
war Giessen von diesem Uebel wieder frey geworden, da= 
her gieng er 1615 gegen die Frühlingszeit dahin. Nun 
vollendete er theils Alles, was wohldenkenden Studen= 
ten, die sich immer ihrer Bestimmung erinnern, nicht 
gleichgültig ist; theils versuchte er selbst, weil gewisse 
Hindernisse die Reise mit einigen vom Adel nach Frank= 
reich und Jtalien vereitelten, sein Glück in juristischen 
Vorlesungen, und diese müssen ihm sehr bald einen Bey= 
fall erworben haben. Denn er ward im Jahre 1616 öf= 
fentlicher Rechtslehrer, als er kaum die Doctorwürde 
erhalten hatte. Seine Probeschrift bestand aus den 
wichtigsten Sätzen vom weltlichen und geistlichen Regi= 
mente des Deutschen Reichs, die hernach zu einem gan= 
zen Buche aufwuchsen. Jn der Nachricht von seinen 
Schrif= 
Vorage: 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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