Full text: Beyträge zur juristischen Biographie, oder genauere litterärische und critische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrten auch Staatsmänner, welche sich in Europa berühmt gemacht haben (Bd. 5, St. 1 (1779))

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I. Johann Thomä. 
Drey Jahre nachher fiengen sie die academischen Stu¬ 
dien zu Wittenberg an unter der genauern Aufsicht des 
Professors der Mathematic, Nicol. Pompejus. All- 
hier widmete Johann Thomâ keinen geringen Theil der 
Zeit den Alterthuͤmern und der Geschichtskunde, weil er 
wohl einsah, wie vielen Nutzen er davon bey Erlernung 
der Rechte haben wuͤrde, welche er zum voͤrzuͤglichsten Ge¬ 
genstande seines Fleißes bestimmt hatte. Er trat auch 
öffentlich auf, und vertheidigte mit dem Beystande des 
Professors, Mich. Wendeler, eine politische Abhand¬ 
lung. Seiner Neigung aber, eine gelehrte Reise zu thun, 
und auswaͤrtige hohe Schulen zu besuchen, stand der da¬ 
malige unglückliche Krieg entgegen, aus welcher Ursache 
er sich, nach einem dreyjaͤhrigen Aufenthalte zu Witten¬ 
berg, 1642 in seine Geburtsstadt zurückbegeben mußte, 
wo ihm sofort eine selbst verfertigte Dissertation Ehre 
machte. Der große Rechtsgelehrte und Humanist, Joh. 
Strauch, fieng zu dieser Zeit an ruͤhmlichst allda bekannt 
zu werden, und er verstattete jungen Studenten gern ei¬ 
nen Zutritt. Thoma war besonders derjenige, welchem 
er seine ganze Vertraulichkeit schenkte, welchem er bey oͤf¬ 
tern Unterredungen den geradesten Weg zu einer gruͤndli¬ 
chen Gelehrsamkeit wies. Mit solchem Anwachse neuer 
Kenntnisse kam er im Jahre 1644 nach Jena, und ward 
Hofmeister eines Saͤchsischen von Adel, Herrmanns von 
Wolframsdorf, der endlich als Chursachsischer Oberhof¬ 
marschall, geheimer Rath und Kreishauptmann des Leip¬ 
ziger Kreises starb, und durch die Stiftung eines Frey¬ 
tisches zu Wittenberg füͤr zwoͤlf Studenten sein Gedaͤcht¬ 
niß verewigte. In Jena erwarb sich Thomâ manchen 
Goͤnner, unter denen Erasmus Ungepaur der ange¬ 
sehenste war. Die Empfehlung desselben wirkte ihm eine 
Erlaubniß der Juristenfacultät aus, Privatvorlesungen 
und Disputationen zu halten. Je glüͤcklicher seine ersten 
Versuche von statten giengen, desto mehr wurde er bewo¬ 
gen, 
Vorage: 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschicht
	        
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