Full text: Erörterungen aus dem Civil- und Criminal-Rechte, hin und wieder mit gerichtlichen Erkenntnissen (H. 2 (1816))

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Anwendung des Römischen Rechts dem Jüristen unse¬ 
rer Zeit weit schwerer ist, als sie es dem Römischen 
war; — daß überhaupt jenem weit ausgebreitetere 
und mannichfaltigere Kenntnisse zu Gebote stehen müs¬ 
sen, als dieser bedurfte; — abgesehen von dem allen, 
sage ich, kann und muß man doch voraussetzen, daß 
jene beiden Gerichte ebenfalls ihre guten Gründe gehabt 
haben, also die Sache sehr zweifelhaft seyn müsse; 
und wer möchte es schon im voraus verbürgen, daß die 
in der Sache liegenden Zweifel jederzeit nur von der 
dritten, in keinem Falle aber von den beiden ersten 
Instanzen richtig gelöset worden? Ist vollends die Sache 
vielleicht erst in der dritten Instanz gehörig instruirt 
oder durch nova in facto aufgeklärt: so ist in der That 
nur ein einziges Erkenntniß vorhanden, wobei es 
ohne weitere Prüfung bewenden zu lassen, für den ver¬ 
lierenden Theil hart ist. 
Dazu kömmt, daß da, wo bloß die Verhandlungs¬ 
und nicht zugleich die Untersuchungsmaxime Statt fin¬ 
det, dem Richter, um die Wahrheit zu erforschen und 
über relevante Thatsachen bestimmte Erklärungen zu 
erlangen, oft kein anderes Mittel übrig bleibt, als sie. 
durch ein gravirendes Erkenntniß, und die demselben 
untergelegten Entscheidungsgründe von denjenigen zu er¬ 
pressen, welche entweder das Licht scheuen, oder aus 
Nachlässigkeit und Unkunde die Erheblichkeit derselben 
nicht fühlen.*°) Das kann aber nicht anders geschehen 
als wenn noch eine Instanz offen ist, worin das Nöthi¬ 
ge nachgeholt werden kann. 
10) Wo die Untersuchungsmarime üblich ist, hat man dazu an¬ 
dere Mittel conf. die Königl. Preuß. Prozeßordnung, 1ster 
Th. 15ter Tit. §. 8. 
Universitäts 
Vorage: 
Max-Planck-Institut für 
Bibliothek 
FC 
europäische Rechtsgeschichte 
Rostock
	        
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