Full text: Zeitungen für Rechtsgelehrte (1789 (1789))

zu seyn. Wir wollen bei der Anzeige derselben Gele¬ 
genheit nehmen, unsern Lesern unsere Meinung über 
diejenigen Puncte des Edicts, die in dem Gesichts= 
kreise des Rechtsgelehrten und Staatsmannes liegen, 
mitzuteilen, und künftig keine andere Schriften über 
diesen Gegenstand in unsern Zeitungen beurteilen, als 
die solche entweder durch neue Gründe unterstüzen 
oder auf eine überzeugende Art widerlegen. Daß 
Preußens Monarch nicht eben so gut die Macht sowol 
als die Befugnis haben solte, seine protestantische 
Kirchenlehrer an gewisse Symbole zu binden, als ein 
catholischer Regent darüber halten kan, daß die catho= 
lischen Priester seines Landes nichts lehren, als was 
den Lehrsäzen der Päbste und Kirchenversamlungen 
gemäs ist, daran wird wol niemand zweifeln. 
ihm 
stehen weder Reichsgeseze noch Völkerverträge dagegen 
im Wege. Der Westphälische Friede verbindet die 
Regenten Teutschlands nur, die öffentliche Lehre und 
Ausübung der prorestantischen sowol als römisch=ca= 
tholischen Religion in demjenigen Zustande zu lassen, 
worin sie im Normaljahre war, und denjenigen Un= 
ter ahnen einer andern Rekigionspartei, die sich auf 
dies Jahr nicht berufen können, das Auswanderungs= 
recht zu gestatten. Hingegen wird nirgends gebohten. 
daß die protestantischen Kirchen von den Lehrbegriffen 
der augspurgischen Confession und ihrer übrigen sym= 
bolischen Bücher niemals in keinem Puncte abweichen 
solten. Vielmehr besteht darin der wahre Geist der 
protestantischen Kirchenfreiheit, daß sie von dem Joche 
des römisch=catholischen Gewissenszwanges los gemacht 
und ihr verstattet wurde, die heilige Schrift nicht 
nach Menschensazungen, sondern nach eigener Ueber= 
zeugung anzunehmen. Die augspurgische Con= 
fession solte nur ein Symbok, ein Beweis seyn. 
wie die damaligen Protestanten sich von den Lehrsäzen 
der heiligen Schrift überzeuget hielten, nicht aber eine 
Vor= 
— 
Universitäts 
Max-Planck-Institut für 
Bibliothek 
europäisch 
Rostoc
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer