Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 1 (1781))

IV. Ueber die Justiz auf deutsche Art und rc. 429 
schen Bürger nach lateinischen Gesetzbüchern gerichtet 
werden? oder ist es nicht vielmehr rathsam, diesen latel= 
nischen Gesetzbüchern endlich den Abschied zu geben, und 
dagegen vollständige deutsche Gesetzbücher einzuführen? 
Denn gewiß ist es doch wohl, daß diese lateini¬ 
schen Gesetzbucher ein großes Uebel unserer deutschen 
Justizverfassung sind? Er führt hiebey aus einer vor 
kurzem erschienenen Epistel an Göcking folgende bedenk¬ 
liche Stelle an: 
Ists möglich, daß Gerechtigkei t | 
Da wohnen, wo mit vollen Händen 
Schikane ihre Dornen streut; 
Weil der Gesetze Wust und Streit 
Ihr hundertfach Gestalten leiht, 
Die ach! oft selbst den Weisen blenden? 
Ists möglich, daß, wo Bürgergut 
Auf fremdem Wörterkram beruh | | 
Daß da dieß Gut vor Trug und List, 
Wie 's kann und soll, gesichert ist? 
Der Richter spricht nach den Gesetzen: 
Und taugen die Gesetze nicht; 
So ist, Gerechtigkeit verletzen, 
Erlaubt, und leicht, nicht selten Pflicht. 
Nur die Unmöglichkeit, vollständige Gesetze selbst ent¬ 
werfen zu lassen, kann einen Gesetzgeber entschuldigen, 
wenn er ein fremdes seinen Unterthanen unverständliches 
Gesetzbuch in seinen Staaten gar einführet, oder auch 
nur duldet. Kaiser Maximilian war allenfalls zu ent¬ 
schuldigen, wenn er den fremden Gesetzbuͤchern die Kraft 
eines Gesetzbuches in Deutschland verstattete: was aber 
dazumal 
Vorlage: 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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