Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 1 (1781))

Von den bürgerlichen Gesetzen 
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pflegen, die nicht mit den Menschen verglichen zu wer¬ 
den verdienen. 
Wir besitzen die nothwendigen Kenntnisse nicht, 
um diese Behauptungen zu bestaͤtigen, oder ihnen zu 
widersprechen; aber, ohne uns bey einigen besondern 
Thatsachen aufzuhalten, köͤnnen wir versichern, daß, 
nach dem Beyspiele der Jahrhunderte und der Natio¬ 
nen, die Freyheit für die Bevölkerung der güͤnstigste 
Zustand sey. Die Empfindung ihres Zustandes und 
ihres Glücks ist eine der staͤrksten Bewegungsgründe 
die ein Mensch haben kann, das Leben mit Wesen zu 
theilen, die bestimmt sind, an seinem Schicksale Theil 
zu nehmen. Wenn man hingegen die Menschen in die 
Abhängigkeit von andern Menschen setzt, um ihnen ih¬ 
ren Unterhalt zu versichern, so hat es damit eben die 
Bewandniß, als wenn man sie nur darum an den 
Bettelstab brächte, um ihnen das Recht auf die Mild¬ 
thätigkeit mitleidiger Herzen zu verschaffen. Jn ei= 
nem Lande, wo die reichsten Eigenthümer diejenigen 
sind, deren Ländereyen am schlechtesten angebaut wer¬ 
den, wo der ungezähmte Geschmack an Lustbarkeiten 
sie an keine Verbesserung denken laͤßt, wo die Klasse 
der Reichen kein Vergnuͤgen anders, als durch Mis¬ 
brauch, 
wesen zu seyn. Zu Rom war die Liebe und die Ver¬ 
gnügungen ein ausschließendes Vorrecht des freyen 
Menschen, und der Imperator Claudius leistete der 
Menscheit einen guten Dienst, daß er geboth, man 
sollte keinen Sklaven Alters oder Schwachheits halber 
tödten. Das Daseyn eines solchen Gesetzes beweist, daß 
es nöthig war, und es ist für die Nation eine Schand¬ 
säule. 
Vorage: 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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