Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 1 (1781))

Von der Ehe. 
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Von der Scheidung. 
Statt der Mehrheit der Männer oder Weiber ha¬ 
ben einige Nationen die Trennung oder Eheschei¬ 
dung eingeführt; allein diese fremden Einrichtungen 
könnten für unsere Länder schädlich seyn. Wenn die 
Gesetze den Endzweck haben muͤssen, den Nationalfeh¬ 
lern einen Zaum anzulegen, so würde eine Nation, 
der man von jeher ihre Flüͤchtigkeit vorgeworfen hat, sich 
bald einer Gewalt misbrauchen, deren Gebrauch nicht 
eher gerecht seyn kann, als wenn er durch die Sitten 
geleitet und eingeschränkt wird *). Eine Weibsper¬ 
son, die eine Leidenschaft oder nur eine Neigung für 
einen andern empfände, würde die Vereinigung, die 
sie eingegangen wäre, unausstehlich finden; sie würde 
in die Arme ihres Liebhabers fliehen; den Kindern ih¬ 
rer ersten Ehe wüͤrde sie gram werden, sogar ihr Va¬ 
ter würde sie nicht mehr lieben, weil ihn ihr Anblick 
immer an eine Frau erinnerte, die ihn beleidiget 
hätte. Die erste Veränderung würde keine Gewähr 
für eine zweyte Unbeständigkeit leisten, und die Ehe 
verlöre ihre Wohlanständigkeit, ihre Würde und ihre 
nützlichsten Wirkungen. Unter den untersten Klas n 
der Bürger, die die zahlreichsten sind, ist der Cha¬ 
rakter, da er durch keine ordentliche Erziehung ge¬ 
K. 2 
bildet 
*) Man behauptet, daß, ungeachtet zu Rom die Männer 
sich von ihren Weibern hätten trennen können, doch 
fünf Jahrhunderte vergangen wären, ohne daß sich einer 
dieses Vorrechts bedienet hätte. 
Vorlage: 
Max-Planck-institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte 
9
	        
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