Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 1 (1781))

Von der Ehe. 
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die lebenslängliche Dauer dieser Vereinigung nicht 
durch die weisen Veranstaltungen der Natur vermit¬ 
telt worden wäre. Eben die Gleichförmigkeit, eben 
das physische Verhältniß, das die körperliche Bildung 
zwischen den beyden Geschlechtern festsetzte, findet man 
auch zwischen ihren Charakteren, ihren Beduͤrfnissen, 
ihren Eigenschaften, ihrer Mitwirkung und Geschick¬ 
lichkeit zu verschiedenen Mühwaltungen. Dem Land¬ 
manne ist eine Frau eben so nothwendig als ein Werk¬ 
zeug zum Ackerbau; sie ist einem jeden Manne, der 
eine Profeßion treibt, nützlich, um Statt seiner die 
Sorge für das Hauswesen zu übernehmen. Ein Mann 
der leben kann ohne zu arbeiten, bedarf nicht minder 
einer Gattinn, um der Annehmlichkeiten des gesell¬ 
schaftlichen Umgangs zu genießen. Die Ehe, wenn 
sie das ist, was sie seyn soll, und was sie öfters ge¬ 
wesen ist, als die Sitten noch nicht so verderbt waren, 
macht den Genuß aller Freuden vollkommen; eine 
glückliche Ehe endlich ist unter allen Staͤnden der gluͤck¬ 
lichste; sie ist es, von der man sagen kann: „daß 
die verbundenen Seelen einmuͤthig aneinander geket¬ 
tet sind; daß sie mit warmer Zuneigung sich das In¬ 
nerste ihres Herzens aufschließen; daß das eine das 
Herz des andern wie sein eigenes kennt; daß eines 
für das andere lebt, sieht und genießt, und daß eine 
Vermischung ihrer Seelen vorhanden sey." Es ist 
nicht genug, daß die Beschaffenheit verschiedener Ge¬ 
schlechter sie zur Vereinigung reize, und daß ihnen die 
Bestaͤndigkeit und Fortdauer dieser Vereinigung durch 
ihr gegenseitiges Betragen vortheilhaft sey; es ist auch 
nöthig, daß unsere Gesetze, unsere Sitten, unsere 
Gewohn. 
Vorage: 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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