Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

bei der Getreiderndte. 
405 
wäre wirklich für den Landwirth eher nachtheilig 
als vortheilhaft. Wenn dieses letztere wahr ist: so 
braucht es nur Belehrung und nicht Gewalt, eine 
nachtheilige Neuerung abzuschaffen, nur Unterricht und 
nicht Gesetze, welche nur Zunder zu Rechtshaͤndeln 
geben. Der Satz, daß das Eigenthumsrecht fuͤrs 
allgemeine Wohl oft eingeschränkt werden müsse, ist 
einer der gemißbrauchtesten, die jemals angenommen 
worden sind. Man kann alle Ungerechtigkeiten dadurch 
zur Gerechtigkeit machen. Es ist indessen nicht un¬ 
möglich, Fälle zu sinden, wo der urspruͤngliche Eigen¬ 
thumer sich oder andern einen Theil des Eigenthums 
bei der Veräußerung der andern vorbehalten hat. 
Das ist der Fall von vielen Weidgerechtigkeiten, 
Jagdrechten, Forstrechten und andern Dienstbarkeiten 
dieser Art. Allein es würde vielleicht nicht schwer 
seyn, zu beweisen, daß alle, oder doch weit die mei¬ 
sten, dem gemeinen Besten höͤchst nachtheilig seyn. 
Von dieser Natur koͤnnte auch das den Armen in der 
Provinz Picardie zukommende Recht auf die Stoppeln 
seyn. Wie viel besser würde es nicht seyn, auf eine 
andre Weise für sie zu sorgen. Man muͤßte die Natur 
der Landwirthschaft in dieser Provinz und ihren ganzen 
Zustand kennen, um die nützlichen oder schädlichen Ein¬ 
flüͤsse eines solchen Herkommens zu beurtheilen. Ich 
weis nicht, ob irgendwo in Deutschland ein solches 
Recht eingeführt ist. Immer scheint mir die Sache 
würdig, erwogen zu werden. Sollte sie nur Anlaß 
geben viele Rechte der Pruͤfung zu unterwerfen, 
die 
noch für heilig angesehen werden, und die eine bessere 
Nachwelt unter die Mißbräuche rechnen wird, 
die 
ihre 
Cc 3 
Volager 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer