Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

XXXIII. Gebrauch der Sense 
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XXXIII. 
Gebrauch der Sense bei der 
Getreiderndte. 
Rechte, die Ungerechtigkeiten seyn koͤnnten. 
Jm Jahr 1778 haben einige Landwirthe in der Pi¬ 
cardie ihr Getreide mit der Sense abmaͤhen las¬ 
sen. Der Fiskal des Ortes, als bestellter Beschüͤtzer 
der Armen, belangte sogleich auf ihre Klagen die 
Landwirthe richterlich, welche durch diesen Eingriff die 
Rechte der Armuth verletzt, und ihr die Stoppeln ent¬ 
zogen hatten, auf welche, sagt man, göttliche und 
menschliche Gesetze ihnen ein Recht geben. Die Land¬ 
wirthe wurden verfällt, und dieses Urtheil wurde 
auch in der höhern Instanz bestätigt. Die Land¬ 
wirthe führten an: die Freiheit, die sie gebraucht 
hätten, wäre ein Theil des Eigenthumsrechtes, das 
ihnen von den Gutsherrn verliehen wäre; der Ge¬ 
brauch der Sense waͤre unendlich bequemer, und der 
von der Sichel wäre dem allgemeinen Wohl der Ge¬ 
sellschaft nachtheilig. Allein die gegenseitigen Grüͤnde 
siegten ob, und die Verordnung des Magistrats von 
St. Quentin, die im Jahr 1750 die Stoppeln den 
Armen zugesichert hatte, wurde bestaͤtigt. Die Ar¬ 
men, hieß es, können die Stoppeln nicht entbehren; 
das Eigenthumsrecht könne zum allgemeinen Besten 
eingeschränkt werden, und der Gebrauch der Sense 
wäre 
Vorlage: 
Max-Planck-institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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