Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

XXVII. Leben und Schriften 
310 
dem Vertrauen. Die französische Akademie ward 
einer ihrer schönsten Zierden nicht beraubt; und 
Frankreich war so glücklich, einen Unterthan zu be¬ 
halten, welchen Aberglaube und Verläumdung ihm 
beinahe entrissen hätten. Denn Herr von Mon¬ 
tesquiou hatte der Regierung erklärt, daß nach der 
Art von Beschimpfung, womit man ihn bedrohete, 
er bei Ausländern, die ihm die Arme darreichten, 
die Sicherheit, Ruhe, und vielleicht die Belohnun¬ 
gen suchen würde, welche er in seinem Vaterlande 
hätte hoffen sollen. Die französische Nation würde 
diesen Verlust beweint haben, und auf sie wäre 
doch alle Schande davon gefallen. 
Der verstorbene Marschall von Etrees, dama= 
liger Direktor der französischen Akademie, betrug 
sich bei diesem Vorfall als ein tugendhafter Hof= 
mann, und auf eine Art, die einer wahrhaftig er¬ 
habenen Seele würdig war; er fürchtete nicht, we¬ 
der sein Ansehen zu mißbrauchen, noch es aufs 
Spiel zu setzen; er suchte seinen Freund, und 
— 
rechtfertigte einen Sokrates. 
Montesquiou 
ward aufgenommen am 24. Januar 1728. Seine 
Rede ist eine der Besten, welche je bei einer sol¬ 
chen Gelegenheit gehalten worden. Das Verdienst 
derselben ist um so größer, da bisher die Aufzu¬ 
nehmenden, gebunden durch die Gewohnheitsfor¬ 
meln und Komplimente, zu welchen eine Art von 
Verjährung sie verpflichtet, sich nicht über diesen 
Kreis hinausgewagt hatten, um andere Materien 
abzuhandeln, oder wenigstens nicht versucht hatten, 
diese 
Vorage: 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer